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einhorn insel der seligen

Zungenzeiger



Da liegt er. Einfach so. Zwischen Hecken. Ein blauer Heckmeck.

Um die Augen sprießen Fältchen, Wimpern werden gequetscht. Mit brutaler Kraft bricht die Nase aus der Stirn. Zieht Gräben beidseits.

Ein Berserker, ein Rohling - wütet er gegen sich selbst?

Er strengt sich an. Das Gesicht soll so bleiben. Eine Demonstration. Stolz auf die Lebensleistung: das Überleben.

Dünkel? Provokation.

Die Zunge quillt aus dem verschlossenen Mund. Kein Spaß. Seine Lippen zerpresst, wie zerklüftet. Wulst an Wulst.

Wenn er so weitermacht, platzt er.

Wieso? Was macht er denn? Macht er was? Er glotzt nicht einmal. Zugekniffen die Augen. Wen er verhöhnt, will er nicht sehen.

Hat er eine Gummihaut? Gummi würdest du niemals streicheln. Vernachlässigte Fingernägel können eine solche Haut aufreißen. Oder ein Stich mit dem Zirkel - eine vielleicht harmlose Injektionsnadel - und schon bewiese der Kopf Inhalt!

Wenn alle denken, er sei hohl.

Geht man so mit der eigenen geburtgegebenen / gottgegebenen Schönheit um? Lässt man so einen Menschen, der unverhofft, unschuldig, aber beflissen vorbeigeht, leiden an sich? Oder doch eher leiden an der Welt, die solche Geschöpfe hervorbringt?

Er ist ein Kunstwerk, das ist nun mal so. Ein Schmarotzer. Dass er auf Kies liegt, ändert nichts. Zwischen Hecken soll Gras wachsen, grüner Rasen. Wo müde Träumer sich hinlegen dürfen. Wer würde gern träumen von seinesgleichen, ungeheuer blauen Riesen?

(Foto: Max Mayr, Weggis)