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einhorn insel der seligen

Was kostet die Welt


Engel müssen nie aufs Klo gehen. Engel haben aber Milchdrüsen, mit denen sie jede Nacht die Milchstraße erzeugen. Hat einer gesagt, der draußen war.

Jeder muss mal durch den Vorhang schlüpfen und gucken, wie es draußen aussieht. Pfiffig sein musst du nicht, sagen sie, nur pfiffig aussehen. Aber aufpassen! Gefällst du einem von denen allzu gut, steckt er dich in den Sack.

Wer hat mir das so hingerieben? Der Nasenbär?

Wahrscheinich sind die Engel am gefährlichsten. Momentan sehe ich keinen, nur den vom Vorhang, den mit der Drüse. Aber der tut nichts.

Es ist gruselig hell, das wimmelt in den Augen. Ich glaub, ich bleib vorerst hier stehen. Die Vorhangquasten kitzeln angenehm. Über die Kulisse hüpf ich jederzeit drüber. Nur, da geht’s steil abwärts, und tief runter.

Viel verstehe ich nicht von dem, was ich sehe. Kleine Menschen zeigen auf mich und werden laut. Große Menschen labern die kleinen Menschen voll. Sie schauen genauso aus wie unsere Menschen vom Theater. Die kleinen Menschen würden gerne nach mir grabschen, ich sehe es an ihren wilden Bewegungen, aber die Großen, scheint’s, sind nicht einverstanden. Es gibt ein Geschrei, das noch lauter ist als der allgemeine Lärm, der nie verebbt.

Sterne sehe ich keine, nur die auf unserem Vorhang. Ach, wenn ich doch auch so eine Milchdrüse hätte! Aufs Klo muss ich ja nicht, das hätte ich schon mit Engeln gemeinsam. Aber wahrscheinlich haben die viele, viele Tricks auf Lager wie unser Zauberer. Mir hat keiner je einen Trick beigebracht. Du bist hübsch, sagte einmal der Frosch, du musst nicht tricksen! Der blöde Wasserhopser!

Fliegen kann ich nicht, das können Engel nämlich auch. Und zwar richtig, nicht so wie unsere Marionetten, die mordsmäßig damit angeben. Es ist wahr, ich kann nicht einmal gehen. Nur stehen und gucken. Aber das kann ich gut.

Eines der Theaterkinder hat mich gegriffen und hier hingestellt, ich geb’s ja zu.

Theater spiele ich auch nicht, nein, wie auch? Aber ich darf immer irgendwo stehen, ich bin so eine Art Kulisse. So sagt man nämlich für diese bemalten Brettchen aus Holz, zwischen denen unsere Püppchen tanzen und herummachen. Eines von den Menschen sprach mal von mir als Maskottchen. Hab ich nicht verstanden, es scheint aber nichts Schimpfiges zu sein. Gerade sagt einer von denen draußen, dass ich ein Lockvogel bin. Nun ja. Fremdsprachen sind nicht meine Stärke.

Ach was! Mir gefällt’s hier, ich lass mich gern anschauen wie all die Kumpels, die jetzt hinter diesem Vorhang Siesta halten.

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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