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einhorn insel der seligen

Pelourinho



Jemand hat einen langen, schwierigen Weg hinter sich gebracht und scheint nun endlich einen Freiraum erreicht zu haben, scheint aufzuatmen. Er reckt den Arm in die Höhe wie ein Siegeszeichen. Doch es geht nicht weiter, allseits wartet der Abgrund, er hat ihn vergessen, während er sich aufwärts mühte. Es ist ein spektakuläres Ende, aber unwiderruflich ein Ende. War es diesem Jemand nur um ein Spektakel zu tun?


Und wenn die erhobene Hand entsetzliche Angst ausdrückte vor dem, was jetzt bevorstand, dem Sturz?

Der Kletterkünstler prunkt mit Muskeln, weist aber auch Merkmale weiblicher Körperlichkeit auf. Ein Hermaphrodit, soweit bei die enormen Höhe erkennbar?


Und wenn es nichts anderes als ein leicht überkandideltes , bildhauerisch gedschändertes Denkmal der Kaminkehrer-Zunft wäre, die, ganz nebenbei, Kritik daran übte, dass ihre Mitglieder, diese armen Schweine, auch die kaputtesten Kamine durchklettern müssten? - Teures Material für ein Handwerk wie dieses, goldener Boden statt rußbedecktem Gesicht!?


Jedoch, nein! So wie strenge Wörterbücher es festsetzen, verhält es sich ganz anders, denn pelourinho bedeutet: Pranger!

Am Pranger stehen: in luftiger Höhe in labilem Gleichgewicht auf geborstenem, scharfkantigem Mauerwerk sitzend - schlimmer als ein Todesurteil -

Und doch, diese große Gebärde: eher wie ein Gipfelstürmer am Ende einer lotrechten Wand als wie ein ausweglos Verzweifelter?

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