Aktueller Eintrag
Frühere Einträge
Archiv
Schlagwörter

einhorn insel der seligen

Sie haben ihr Gesicht verschont



Jeder will+soll=muss überall gewesen sein. Reiserufe, Ich-dort-auch/zuerst-gewesen-Meldungen rattern durch die sozialen Medien. Mit Fotos gespickt. Wer-wo-war ist nach wie vor wichtig für Hackordnung und Status in der Horde der ungezählten digitalen Freunde. Geraffte Worte, für sich sprechen sollende Bilder. Selfies, Ich-überall-sowieso-und-klar-hier-auch, zum Beweis.

Trotzdem ist die Lust, sich auf traditionelle Weise zu verewigen nicht ganz ausgestorben. Wer will schon gestorben sein ohne eine Spur von sich zu hinterlassen? Und warum nicht gerade da, wo viele andere Namen auf deinen warten?

Ich-Markierungen sind ein privater Teil der Globalisierung. Wie Internet-Währungen oder Multi-Kulti-Gerede.

Ein Gesicht ist einmalig, magst du es schön finden oder nicht, ganz gleich, welches Gefühl es auslösen mag bei dem, der es betrachtet. Sein Ausdruck reizt zum Versuch dich in ihn zu versetzen.

Ein Gesicht, in sich versunken, steht gegen das Selbstverbreitungs-Gekritzel.

Farben verschieben sich, nur scheinbar ziellos, Geschichten in Farben sind es, die nicht verschwendet wurden, den eigenen Namen im groben Putz der Wand zu verankern. In Farben, von denen jede für sich steht, auch dort, wo sie sich mischen. Jeder Brückenschlag zwischen dem Portrait und seiner hässlichen Umgebung wird so unmöglich.

Ist es ein Portrait? Wie auch immer. Allein die Farben erzeugen ein schillerndes Spektrum eines inneren Reichtums.

Das vorsichtige Öffnen des Mundes deutet an: etwas Ungesagtes könnte endlich Ausdruck finden. Vorerst aber: Schweigen.

Der Blick, zugleich nach außen wie nach innen gehend, übt sich in Zurückhaltung und erfasst doch scharf etwas dir noch Verborgenes.

Ihr Rücken wird nicht krumm werden von all dem, was die Frau gesehen hat und noch sehen wird. Auf so manches wird sie sich einlassen, niemals wird sie sich verloren geben.

Gelassene Spannung ist eine unerschöpfliche Quelle von Energie.