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einhorn insel der seligen

Schattenland



Im Reich der Schatten wirst du eine Tiergestalt sein, die auftaucht und wieder versinkt im bildlosen schwarzen Raum. Sie ist stumm. Maske ist ihre Miene. Gewichtlos schwebend bewegst du dich, ein Körper, dessen Teile keine Eigenbewegung mehr kennen. Selten stehst du still, eine Statue auf ihrem Podest. Dann bist du dir erfahrbar, fassbar als Schattenwerfer.


Alle Gestalten erzeugen dort Schatten, die sich überlappen und vermischen, bis kein Licht mehr durch sie dringt und sie eins werden mit dem Raum, den sie als ihr Reich beanspruchen.

Gespräche ohne Worte, Botschaften ohne Gebärde gehen zwischen Gestalten und Schatten hin und her. Dein Schatten wird dich nicht allein lassen. Er hat dir gehört, hier du gehörst du zu ihm.

Die Schatten verschlucken die Gestalten, verzerren sie, erzeugen ein Flirren an ihren Rändern und setzen langsame Bewegungen in Gang.


Einige wenige Menschen sind zurückgekehrt aus dem Reich der Schatten. Sie behaupten, die Tiergestalten seien Abbilder unserer Seelen, deren individuelle Ausprägung bildlich das Tier darstelle. Die Schatten hätten die Aufgabe eines sich ständig verändernden Spiegels, der mit der Zeit alle Eigenschaften, alle Aspekte des Lebens, das hinter der Seele liege, sichtbar machte.

Aus Tieren seien wir ja entstanden, einst, lange bevor Gedankengerüste wie Liebe oder Verantwortung, Schuld und Gerechtigkeit, Hass oder Treue, unser Handeln bestimmten. Handeln müssten wir dort nicht mehr, handlos ließen wir uns vom Schatten durch ein anderes Leben führen.


So ist es gesagt worden.


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