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einhorn insel der seligen

Buddha vom roten Feld


So sähe das Glück aus: der pure Leib, unverhüllt, ungeschmückt, wohlgenährt, und das Lächeln, Ausdruck der Seele.

Sonst nichts. Außer vielleicht einem Gärtchen, bei kurzen Wintern und milden Sommern, eine freigebige Quelle. Dazu ein bescheidenes Dach über dem Kopf und eine sinnstiftende Tätigkeit, zB Buddhas Lehre zu verkünden.

Sonst nichts.

(Die Viper des Kapitalismus windet sich im Staub und verreckt.)

Wirklich, sonst nichts?

Wenn man wüsste, wie das gewesen ist, damals, als die ersten Homines sapientes sesshaft wurden. Wenn etwa der benachbarte Stamm, noch auf dem Jagdtrip, eine Rotte Wildsäue durch ihre Pflanzungen trieb: Totalschaden. Hunger und Verhungern vorprogrammiert. Oder wenn andere Wildtiere sich den Bauch vollschlugen mit Leckerbissen, in der Überzeugung, die wohlmeinenden Siedler hätten sie einzig für sie angebaut im Schweiße ihres Angesichts.

Zäune. Die wachsen nicht von allein in den Himmel. Werkzeuge müssen her. Mit dem Jagdspieß ist nicht mehr viel anzufangen.

Und Waffen, nicht zu vergessen! Gegen die Unbelehrbaren. Gegen die Ignoranten. Der Eigentümer handelt in Notwehr gegen Räuber, Diebe, Betrüger.

Mit friedlichen Besuchern kann getauscht werden.

Und schon gibt es Händler, Handlungsreisende, Schmiede und andere Handwerker.

Gebaut wird bis in den Himmel. Die ersten Städte erheben sich.

Irgendwann wird das Geld erfunden!


Am Buddha gleitet die Historie ab. Er ist ganz Gegenwart. Er hat solche Gedanken weggesperrt oder, anders gesagt, er hat sie nicht nötig. Er ist bei sich. Jede Perle seines Komboloi, die er berührt, ist ein Weg zu sich selbst.

Es gab seine Philosophie auch in anderen Weltgegenden, in anderen Kulturen. Die christlichen Eremiten widmeten sich der Askese und dem Gebet. Diogenes genügte seine Tonne. Die anderen, die Normalos, bezeichneten diese Zeitgenossen als Schmarotzer. Denn irgendwie aßen und tranken auch sie und überlebten, ohne einen Finger krumm zu machen. Wie die Bettler oder die Vögel des Himmels: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. So zitiert Matthäus seine Oberen. So machen es auch die Pfaffen, sagten darauf manche, schon im Mittelalter. Später kamen andere Galionsfiguren der Gesellschaft dazu: die Hofschranzen, die Höflinge überhaupt, der Adel, die Pfeffersäcke, die so genannten Würdenträger, die Abgeordneten, die Großkopferten … (Von Bänkern oder Börsianern würde man so etwas niemals sagen, nicht wahr?)

Kopfschüttelnd, aber weiter lächelnd betrachtet der Buddha die Viper vor seinen großen Zehen. Sie sperrt das Maul auf, aber er weiß: beißen wird sie ihn nicht. Sie gähnt. Es gibt genug Normalos. Zehntausende kommen auf einen Buddha.

Buddhas sind nicht geschäftsschädigend.