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einhorn insel der seligen

Magog



Magog wuchs. Wuchs immerzu, am liebsten geraden Wegs nach oben. Von den Tälern über die Gipfel hinaus. Von den Wurzeln über die Wipfel hinweg. Bis es außer sich selbst nichts mehr sah. Und der Sehsinn verkümmerte. Magog wurde blind. Bis ein blindes Ding blindwütig wird, dauert es nicht lang. Tastend häufte Magog Waffen über Waffen. Brachte sie in Stellung. Es gegen alle. Blindlings wurde gestoßen, gestochen geschlagen, gewürgt, gefeuert. Gegen Magog, denn außer Magog war nichts zu sehen. Magog höhlte sich aus. Magogskadaver sank über Magogskadaver. Keine Kadaver, nimm das zurück! Ein totes Ding ist kein Kadaver, oder? Und überhaupt: ein Ding kann nicht tot sein. Nur kaputt, zerstückelt, eingeäschert, ... usw. Es sind immer nur die Menschen, die sterben. Aber Magog ist ein Name, nicht wahr? Und Namen stammen immer von Menschen, nicht wahr? Ging nicht Adam durchs Paradies und gab nach Gottes Auftrag allem, was er erblickte, Namen? Denn zuvor war alles namenlos gewesen. Ende des Exkurses. Irgendwann durchbrach Magog Magogs äußerste Grenzen. So weit und wundersam war er gewachsen, dass da nicht mehr war außer ihm und dem Nichts. Und Magog bestand aus toten Dingen, die, vom Nichts geblendet, in sich zusammenfielen, und das Nichts verschluckte sie. Die Menschen guckten zu. Sie wussten zwar, dass sie auf jeden Fall sterben würden. Aber Magog war gewachsen, so spektakulär, so rasant senkrecht, so herrlich und herrschaftlich! Magog wurde von ihnen offenen Mundes bewundert. Magog war gestorben, aber das Wunder des Wachstums blieb bei den Menschen für alle Zeiten. Verbunden mit dem Krieg, beides verband sich zu einer einzigen Leidenschaft. So entstand der Kadavergehorsam.