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einhorn insel der seligen

Licht und Schatten



Ich grüße dich, du Seltsame! Leichtgliedrig hast du dich in Pose geworfen, wie um mich zu bezirzen. Nicht nötig. Ich bin auf den ersten Blick begeistert.

Wie Lilli Marleen lehnst du an deiner Laterne - die gar nicht da ist, du brauchst sie nicht. Hinter dir ein Lichtermeer wie eine Ermunterung zum hemmungslosen Stromverbrauch. Damit hast du nichts zu tun, grüne Lady.

Was mich bezaubert, ist die Art, die Hände übers Kreuz zu falten - aber hinter dem Körper und doch so, dass das Auge des Betrachters gefangen ist und diese Geste als Zeichen auffassen wird. Eine Spur Helligkeit huscht drüber hin, als hieltest du etwas in dieser Kuhle der Handteller oder als würdest du etwas auffangen, was aus dir heraus- oder an dir herabfließt .

Natürlich sind auch Brüste und Schultern beleuchtet, ein Lichtstreif folgt der Biegung der Hüfte, es ist wie eine rasche Skizze deiner Körperformen und tritt doch momentan zurück hinter den ineinander verschlungenen Händen, die gleichermaßen geben und nehmen.

Einer langen Phase Staunen folgt eine kurze Phase Grübeln, und ich merke: ich stehe hier herum vor dieser Statue, die nichts weiter ist als Reklame für ein Lampen- und Leuchtengeschäft, mit einem Körper, das gebe ich gerne zu, der vorübergehend meine ganze Aufmerksamkeit weckte.

Doch dieser Körper mündet unten in zwei hässliche Klumpfüße und wird bekrönt von einem Alien-Kopf ohne Mund und Nase, ohne Haar und Ohr, dafür mit glotzenden Augen und Schneckenfühlern.

Da ist sich zweierlei Ästhetik selbst in die Quere gekommen.

Oder sind meine Empfindungen schlicht die eines Banausen?

Nein, Lady, ich wäre nicht imstande, dich zu küssen.

Allenfalls auf den Bauch. Da, wo er am schattigsten ist. Aber ich fürchte, dein Körper ist eiskalt. Du kommst ja aus dem Weltall.

(Foto: Gisi Müller, Nürnberg)