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einhorn insel der seligen

Hansguckindieluft



Menschen, Strahlen, Sensationen.

Der Fingerabdruck dreifachen Zufalls?

Vision einer zukünftigen vernetzten Welt?

Simultane Existenzen? Paralleluniversen … … ?

Such es dir aus.

Lauter Verschwörungstheorien, erstunken und erlogen! Leichtfertig, ja fahrlässig erdacht, bestenfalls.

Oder pure Gaudi.


Ahnungslos sitzt Hans in seiner Souterrain-Wohnung und dreht Däumchen oder fährt sich mit dem Handrücken über die Nase. Er entspannt sich.

Da geht es los.

Das Sofa fängt plötzlich an zu kippen. Nach hinten. Hans hat nicht die allerschnellste Auffassungsgabe. Er wird in eine Bewegung versetzt, die angenehm ist, weil das Sofa sich genau so viel Zeit nimmt fürs Kippen wie Hans mit dem Erfassen der neuen Situation. Kurzfristig denkt er: so müssen sich Astronauten fühlen, wenn sie auf dem Mond. herumhopsen Gefühlt: ein Erweckungserlebnis. Muss ich unbedingt Johanna erzählen.

Leider kann er Johanna selten etwas erzählen. Ihre Zeit ist immer so knapp bemessen.

Das Kippen geht weiter und führt ohne Bremsgefühl zu einem Stillstand. Hans blickt jetzt durch sein einziges Fenster hinauf in die Gasse.

Er will niemandem, und wäre es die Monroe, unter den Rock schauen. Hans ist ein Träumer, kein Faun. Meist träumt er von Johanna.

Tatsächlich kann er durch ein Gitterwerk von altrosa Bögen in den blauen Himmel schauen, vor dem ein Archipel anscheinend dicht besiedelter Inseln schwebt wie Wolken. Eine Fata Morgana, denkt er, miten in Wanne-Eickel. Und das ist noch nicht alles!

Denn außerdem verbiegt sich da eine menschenähnliche Figur in ungewohnter Pose. Momentan statuenhaft. Die mutmaßlichen Knie eingeknickt. Ob Rock oder nicht, das könnte Hans nicht mit Sicherheit sagen. Aber Hans liegt es, wie gesagt, fern, an einen Rock zu denken. Allenfalls an einen bunten, karierten - oder wenn sich zugleich ein Dudelsack abzeichnete. Aber davon fehlt jede Spur.

Hans legt die Stirn in Falten. Ungebeten kommt ihm Diogenes in den Sinn, der jetzt gesagt hätte: Geh mir aus der Sonne!

Die Figur hält etwas in der Hand. Klarer Fall, denkt Hans: ein Handy. Was sonst? Weiter ist da noch eine turmähnliche Struktur: eine Milchtüte oder die Verpackung eines edlen Whiskys. Da denkt Hans doch plötzlich an Schottland und glaubt jetzt einen leicht aufgebauschten Rock an der Hinterseite der Figur zu erkennen.

Zugleich wird Hans plötzlich klar, warum sein neues Sofa nicht gerade billig war. Mit Motor! Geräuschlos! Die Verkäuferin hatte geredet und geredet, er hatte nur Augen für sie, keine Ohren. Er hätte ihr wahrscheinlich auch eine Hovercraft-Couch abgekauft!

In diesen Wirrwarr von Gedanken hinein klingelt brutal ein Handy. Oh1!Seines! Er tastet in mehrere falsche Richtungen.

Es ist Johanna. Aber ihm bleibt keine Zeit, hocherfreut schmachtend wie sonst immer ein zerdehntes Jo-han-na hervorzupressen.

Du Satyr!

Dank seiner humanistischen Bildung weiß Hans, was das ist, aber das nützt ihm nicht die Bohne. Johannas Stimme ist bereits im übernächsten Satz angelangt:

Ich steh hier so rum, wollte gerade bei dir läuten, schau noch mal in meine Agenda, da stand doch noch etwas anderes - Da fällt mein Blick durch dein Fenster - Und wer liegt da auf seinem neuen Sofa und gafft mich an, nein, guckt, nein, starrt mir unter den Rock, den ich gerade noch zusammenraffe? Wer? Es ist der angeblich so schüchterne, so harmlose, so unbedarfte Han-si! Weißt du was? Ich will dich nie mehr sehen, nie mehr, du … verdammter Spanner!

Das wars.

Hans sieht nur mehr diese regelmäßigen Kurven, eine Sekunde lang fragt er sich, ob es Parabel sind oder Hyperbel oder was, seine Augen folgen sinnlos diesen Quasi-Planetenbahnen, bis sich diese in allen Farben kondensierenden Wolken in seine Aufmerksamkeit schieben, wie etwas, was gleich platzen wird, was schon geplatzt ist … Johanna, Johanna futsch, futsch für immer wegen dieser Verkäuferin … oder wegen …

Hans wäre lieber ein Faun als ein Träumer, manchmal jedenfalls.