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einhorn insel der seligen

Geschichten


Ein Meer von Geschichten müssen wir durchqueren. Sie hängen sich an uns wie Kletten, sogar wenn wir uns nicht einmischen. Wir könnten sie nämlich ungefragt übernehmen und weiter führen, den Erzählfluss zu einer scharfen oder sanften Biegung zwingen und sogar neue, uns wichtige Personen einschleusen.

Viele dieser Geschichten haben keinen Anfang und kein Ende. Da fällt uns der Sternenhimmel ein, aber auch die eigene Lebenszeit: Geburt und frühe Kindheit kennen keine Erinnerung. Und das Sterben nimmt alles Gedachte, Getane und Erzählte mit sich fort.

Meerestiere durchstreifen die Ozeane, die ohne Grenzen sind und ohne Hindernis.

Wir haben nur einen behauenen Stein zum Ritzen oder einen mühsam aus Pflanzen gewonnenen Brei zum Malen und Färben. Doch wir können Chronisten sein einer Zeit, die Heldentaten braucht.

Doch wer liest unsere Geschichten? Die Nachbarn in Wald und Steppe verstehen sie nicht. Wir wiederum wissen nicht, was ihre Tänze und Gesänge bedeuten. Da würde auch keine feste Ordnung der Zeichen helfen. Die Gesichter, die Körper haben wir dafür zu lesen gelernt.

Wo die Geschichten sich sammeln, sich bündeln und miteinander verschmelzen, treffen sich die Hochgestellten, die Starken und die Skrupellosen. Dort wächst die Dunkelheit, man lebt nah am Abgrund, vor dem vom Geist Besessene tanzen und die Führer verherrlichen, bevor zu Märtyrern Ernannte zu deren Ruhm sich opfern.