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einhorn insel der seligen

Evolution selbdritt


Sie wollen nicht aussterben? Na, Sie sind mir eine Spezies!

Der Wandel ist das Wesen der Welt (W – W – W)! Uns hat auch keiner gefragt, ob wir mit einem Geweih herumlaufen möchten. Ist brutal lästig, sag ich Ihnen. Aber es macht Eindruck. Kein Raubtier traut sich mehr an unsereins heran, also … an die Männchen. Unsere Frauen haben solch einen Kopfschmuck nicht, dafür müssen wir sie jetzt auf einmal verteidigen. Nein, wir sind keine Fluchttiere mehr. Die Weibchen hätten es noch drauf, aber sie verlernen es, Jahrhundert um Jahrhundert. Und manche sind einfach faul und kommen auf einmal mit ihren häufigen Schwangerschaften daher – als ob sie das vor der Geweihzeit beim Davonrennen gestört hätte.

Ja, zum Glück, die vielen Schwangerschaften und den wuseligen Nachwuchs – das gibt es noch, ungebremst.

Derzeit ist beim Fünfender Schluss. Mehr geht nicht. Stellen Sie sich vor, was wir für Nackenmuskeln entwickeln müssten. Wir hätten direkt einen Buckel.

Sie meinen, den müssten wir auch als Fünfender schon haben? Sie mit Ihrer Logik. - Gut, ich verrat es Ihnen. Unser Geweih ist hohl und besteht aus superleichtem Knorpel. Aber plappern Sie es nicht herum. Wenn unsere Feinde das mitkriegen … Fuchs, Luchs, Dingo …

Apropos Hoppeln. Unsere Sprungweite ist auch gesunken. Früher rivalisierten wir mit Ochsenfrosch und Grauem Känguru. Jetzt ist es aus damit. Auch bei unseren Weibsleuten! Bitte auch das nicht an die große Glocke hängen! Wenn sie nicht gerade Junge haben, sind sie oft sehr unvorsichtig, provozieren uns: Ich mach einen kleinen Spaziergang in den Dschungel. Verteidigt mich mal schön!

Mit unseren Ohren ist die Evolution noch schwer im Verzug, das sehen Sie: Schrumpfen müssten die, ihre Form ändern. Sie kommen dauernd dem Geweih in die Quere, und eigentlich bräuchten wir sie kaum mehr. Gegen die Greifvögel haben sie ohnehin nie etwas genützt. Das Geweih dagegen …!

Lästig ist der neue Kopfschmuck vor allem bei den Kämpfen in der Paarungszeit. Nein, wir brüllen nicht herum wie früher die Hirsche. Aber ohne Geweih war die Paarung einfacher, das sage ich Ihnen. Ein bisschen Schnuppern und Schnüffeln genügte, um zu wissen: wollte die Holde oder wollte sie nicht? Durften wir oder keilte sie aus? Jetzt müssen die Chefs der Truppe ermittelt werden: das gibt Schmisse, da fließt Blut. Streit und Feindschaften bleiben.

Fragen Sie sich auch manchmal, wer sich das alles ausgedacht hat?

Die Hirsche sind ausgestorben, die geweihlosen Hasen auch. Die Evolution schafft Neues. In unserem Fall lag dem keine Kreuzung zu Grunde. Wäre ja technisch unmöglich. Wahrscheinlich haben wir Mutationen hinter uns, gewaltige. Das muss nicht wegen der Kernenergie so gekommen sein. Die Viren, diese kleinen Schlingel, mutieren ja auch ständig.

Und Ihre Spezies, mit Verlaub, ist am Zerfließen, inklusive Logik und sonstiger Hirnakrobatik, das alles zersetzt sich vom Schädel her, ramponiert Ihre Visage genau wie die edleren Teile. Aber keine Panik! Irgendwas wird entstehen aus ihrer Restmasse. Bestimmt!

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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