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einhorn insel der seligen

Die Signatur


Eschelbronn liegt zwischen Meckesheim und Epfenbach. Zuzenhausen und Waibstadt sind nicht weit. Umgebende Fluren sind: In den Platten, Zinsgrund, Finstergrund, Galgenberg, Wingertsberg, Schaafberg, Bettweg, Unteres Meckesheimer Wäldle, Dickmannzeltebuckel und Schleifigrain. Mittendurch schwemmt sich der düstere Schwarzbach und bläht sich immer wieder zu Überschwemmungen auf.

Eschelbronn ist seit jeher ein weltläufiges und geschichtsträchtiges Pflaster. Denn auch das legendäre Örtchen Mauer ist nur ein paar Kilometer entfernt. In der dortigen Sandgrube Grafenrain fand der Schaufler Daniel Hartmann am 21. Oktober 1907 den sehr gut erhaltenen sogenannten Unterkiefer von Mauer, den später Otto Schoetensack wissenschaftlich als einen Abkömmling des Homo erectus und mutmaßlichen Vorfahren des Neanderthalers beschrieb und Homo heidelbergensis taufte. Alter: weit über eine halbe Million Jahre!

Goethe kam auf einer Reise in die Schweiz am 27. August 1797 durch Mauer und hat dem Ort einige Zeilen gewidmet: Mauer [...] liegt freundlich; eine artige Pappelallee führt vom Dorfe zu einem Lusthause. Die Weiber haben eine katholische, nicht unangenehme Bildung; die Männer sind höflich, keine Spur von Rohheit; man bemerkt eher eine sittliche Stille. Runkelrüben und Hanf standen allein noch auf den Feldern. Hinter dem Ort findet man eine Allee von Kirschbäumen an der Chaussee, die durch feuchte Wiesen erhöht durchgeht; sie wird mit Kalkstein gebessert. Goethe ist keine böse Absicht zu unterstellen, wenn er Eschelbronn nicht erwähnte. Es gab dort wohl kein Lusthaus. Runkelrüben und Hanf wahrscheinlich schon.

Was umgekehrt die Eschelbronner und das Reisen betrifft, so muss gesagt werden, dass die Eschelbronner nicht aus äußerlichem Zwang verreisen, nicht weil Nachbarn des Rummels in Bali überdrüssig ist und jetzt Sulawesi mit Warangucken gebucht haben. Eschelbronner folgen vielmehr inneren Notwendigkeiten. Der selige Pfarrer Schusterhuber schrieb es einmal so in sein Brevier: Eine schöne Seele sucht nach ihresgleichen in der ganzen weiten Welt. Schusterhuber soll im nahen Aglasterhausen gelebt haben und früh aus der Welt gegangen sein - angeblich zu Lebzeiten von Ludwig Graf Löwenstein, noch vor der großen Lutherei und den Bauernkriegen.

Bote dieser so reichen Kraichgauer Kultur ist die Bierstandbrigade. Stets aufrecht am Tresen zu stehen und sich selbst bei gehobenem Alkoholspiegel korrekt zuzuprosten, das haben die Mitglieder feierlich gelobt. Sie als paramilitärischen Männerbund zu bezeichnen geht entschieden zu weit. Doch sind sie allzeit bereit, bei Konfrontationen nicht den Schwanz einzuziehen (man verzeihe das etwas grobschlächtige Bild) und bemüht, keinesfalls weniger auszuteilen, als sie einstecken.

Dabei folgen sie alter Tradition. Wie die Eschelbronner Chronik ausweist, werden 1568 bei einer Schlägerei in der Eschelbronner Gastwirtschaft, bei der vier Personen involviert sind, einem der Beteiligten schwere Verletzungen zugefügt. Die drei anderen Personen erhalten eine Freiheitsstrafe im Turm der Feste Dilsberg …

Stammsitz ist der Brauereigasthof zum Dachsenfranz an der B45, weniger als zehn Kilometer von Eschelbronn entfernt. Auf dieser Strecke kontrolliert die Ortspolizei nicht.

Die Bierstandbrigade hat die Mission, überall in der Welt – so wie hier in der altehrwürdigen Hansestadt Riga - die Signatur ihrer stolzen Heimatgemeinde zu hinterlassen und so deren Namen in alle Welt zu tragen.

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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