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einhorn insel der seligen

Die Dame mit dem Hermelin



Eine leichter Windhauch bewegt Ermellinas Gesicht, es ist transparent geworden, der Wald hat es durchdrungen. Neues Leben wandert in ihre Züge, in langsamer, rhythmischer Bewegung.

Wer so eintauchen kann ins Wippen der Zweige, ins Flüstern der Blätter, entdeckt die Ursprünge der eigenen Natur, ahnt, woher er stammt. Die Sprache zieht sich zurück in die Vielfalt der Laute, in Vogelgezwitscher. Die Lippen gewinnen Muße für ein behutsames Lächeln.

Ermellina ist ganz bei sich. Licht hat Schneisen in den Wald geschlagen, hat Blätter zum Leuchten gebracht und fließt ihr nun über Stirn, Braue und Wange.

Das Lächeln wird nicht frei sein von Sorge, von Fürsorge. Die Natur ist in ihr, deren schlichte Schönheit vereinigt sich mit ihr. Die Bäume umringen, verbergen und schützen sie.

Denn Ermellina ist bedroht. Was hässlich ist, mag das Schöne nicht bewundern, sondern verfolgt es, will es verderben, vernichten. Im Schatten des Waldes darf sie sich sicher fühlen.

Sie ist nicht mehr nur sie selbst. Sie gehört nicht mehr den rastlosen Blicken ihrer Verehrer. Sie gehört niemandem, so wie die Natur niemandem gehört.

Wie blauäugig!

Was niemandem gehört, erweckt Begehrlichkeiten. Wälder werden gewaltsam in Besitz genommen, gekauft, verkauft, ausgebeutet und zerstört. Dasselbe Schicksal droht Menschen wie Ermellina. Sie weiß es, sie ist darauf gefasst, aber ihr Lächeln sagt: Es ist noch nicht soweit. Die Geborgenheit dauert stets nur kurze Zeit.

Nach dem Licht kommt die Dunkelheit. Und was kommt nach der Dunkelheit?

Die Natur wird sich nicht selbst zerstören wie Ermellinas Feinde.

Das Lächeln ist von Ermellinas Lippen geglitten.

Gelassen wird sie sein und voll Gleichmut