Aktueller Eintrag
Frühere Einträge
Archiv
Schlagwörter

einhorn insel der seligen

Dahinter Davor Dazwischen


Blau, Farbe von Himmel und Meer, von der Unendlichkeit …

Da wachsen Sprossen und Triebe, Wege und Windungen entstehen von selbst. Leben hat kein Ziel, aber eine Richtung, viele, unzählig viele Richtungen, die sich begleiten oder sich abstoßen, sich verschlingen oder sich überlagern. Die Wege sind krumm, das Auge folgt mit Spannung, denn sie bilden Gestalten aus an jeder Biegung, Gestalten, die sofort beginnen, Geschichten zu erzählen, von sich, von anderen, von allem. Wenn wir nur wollen.

Die Geschichten fangen plötzlich an und können jäh abreißen und spurlos verschwinden – außer in unserer Erinnerung, wo die Zeit rückwärts läuft und das Vergangene erneut aufleben lässt. Formen entstehen aus Linien, aus Farbe, aus Hell und Dunkel. Und schon sind die Geschichten da. Sie fließen dahin. Sie verzweigen sich, auf einmal steht die eine Kopf, und eine andere kommt zurück, es stockte, ging nicht weiter. Aber was ist eine Barriere gegen das Kaleidoskop, an dem wir drehen und drehen?

Wir müssen keine Grenze und keine Schwelle überschreiten, hier und jetzt bauen wir etwas auf und werfen es wieder um. Wir sind Kinder. Wir lachen schallend. Wir bohren in Nase und Ohr, strecken die Zunge heraus. Wir springen und hüpfen, wir halten nicht still.

Ich seh etwas, was du nicht siehst!

Es sind Geschichten ohne Zeit, denn sie münden ineinander und ent-wickeln sich in einer einzigen Bewegung. Wie die liegende Acht. Wie der Ouroboros, das Schlangenwesen, das seinen Schwanz und damit sich selbst verschlingt. Wie uns ein Yogasitz entführt und erhebt, indem er uns zugleich erdet.

Über die Fassade mit den quadratischen Fenstern zwischen uns und dem Blau sehen wir hinweg. Unsere Phantasie ist allemal stärker.

Gäbe es diese Geometrie allerdings nicht und stürzte die Wand ein, so läge da nur eine einzige, monströse Geschichte vor uns.

Ständig müssten wir suchen nach Zusammenhängen oder Hindernissen, Verbindungen oder Widersprüchen. Wir verlören den Faden. Alles wüchse uns über den Kopf. Wir blieben auf der Strecke.

Gäbe es diese Geometrie nicht, so überblickten wir alles - und könnten seine verwirrende Größe nicht in uns aufnehmen. Das Labyrinth gäbe uns nicht mehr frei.


Foto: Monika Riegner