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einhorn insel der seligen

Sabirap Pnb


Einem fröhlichen Teufel darf man keinesfalls trauen. Ein zorniger ist unbedingt zu fürchten. Wenn sie sich mit trügerischer Heiterkeit umgeben, können Teufel (auch solche niederer Ränge) einen überwältigenden Charme entwickeln. Ja, man würde sich nicht scheuen, Wörter wie hübsch oder adrett bezüglich ihres Aussehens zu verwenden. So vernebeln sie uns die Sinne.

Ich drücke mich gewunden aus, ich weiß. Gesprächen über Teufel sollte man einen möglichst harmlosen Anstrich geben. Die Hölle hört mit.

Dieser hier mit den extrakleinen kindlichen Hörnern, der angedeuteten Seitfallfrisur und den für ein geduldiges Zuhören blumenartig weit geöffneten Öhrchen wirkt nicht unsympathisch.

Die senkrecht geschlitzten Augen überraschen dagegen, während die kubistisch gestückelte Nase und die lückenlosen, beißbereit mir entgegen gebleckten Zahnreihen eine andere Sprache sprechen. Völlig verbergen kann der Teufel das Teuflische nicht. Das ist unsere Chance.

Dieser Teufel scheint auf den ersten Blick ein Hüter des Fahrrads zu sein, das zwar durch ein schweres Schloss verriegelt, aber gegen Abtransport nicht gesichert ist. Es muss nur ein Lieferwagen kurz halten, das gute Stück wird samt Schloss in den Laderaum gehievt, und ab die Post. All das, während drinnen in der Bank der Radeigner sich anhören muss, wie der Bankangestellte ihm ein unglaublich günstiges, dabei absolut sicheres Kreditangebot nach dem anderen erläutert. Dabei braucht er einfach nur ein bisschen Geld, da momentan ziemlich knapp bei Kasse. Der radelnden Kunde hat vielleicht auf die Teufelsfratze vertraut, ihr eine ähnliche Wirkung unterstellt, die man sich von Wasserspeiern, Monstern und Fabelwesen außen an den mittelalterlichen Kirchen erhoffte: die Abwehr von Dämonen; den Teufel mit Beelzebub austreiben, hieß das.

Man erinnert sich an unseren klassischen bayerischen Autor, der erklärte, ein Bankraub sei harmlos verglichen mit der Gründung einer Bank, wenn man sich die Frage stellt, ob der Teufel nicht doch eher zum Geldinstitut BNP gehöre als zu diesem einsamen Fahrrad, ob es sich nicht tausendmal mehr lohne, eine Bank statt eines Fahrrads unter seine Fittiche zu nehmen (ehemals waren die Teufel gefallene Engel). Mafia und Bereitsteller von Bankenrettungsschirmen würden mit der Antwort nicht zögern. Auch Sie nicht und ich nicht. Wetten?

Was uns, die wir – zu Unrecht? - allzu oft nicht mehr an den Teufel glauben, schockiert, ist der böse Vorwurf, der ihm zugeeignet ist: RECEL - Hehlerei, Geldwäsche und ähnliche unfeine Praktiken – dazu wird indes kein teuflischer Beistand benötigt.

Und auf die Banken, das wissen wir mit Sicherheit, kann das böse Wort auch nicht gemünzt sein.

So wenig wie auf den Radlkunden, der sich als eine strahlend schöne Dame entpuppt, deren Namen mir – o Zufall! - bekannt ist. Eben verlässt sie königinnengleich die Filiale und freut sich, dass ihr Radl noch da ist.

Da mache ich mich natürlich bemerkbar: Radegundis! rufe ich, darf ich Sie begleiten. Ich habe auf Ihr Rad aufgepasst !

Leider habe sie keine Zeit, sagt sie und saß mit wunderbarem Schwung schon im Sattel.

Ich hatte meine Rechnung ohne Satan gemacht.


© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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