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einhorn insel der seligen

Weg Ferne


Dort, am anderen Ende, spielen Kinder. He, da fliegt etwas durch die Luft. Der eine wirft’s, der andere fängt’s.

Oder es fliegt nichts durch die Luft. Stattdessen ein Schild an der Wand, auf dem steht: Spielen verboten! Nun, man ist ja kein Spielverderber.

Es ist genauso gut möglich, dass jedes der beiden Kinder sein eigenes Spiel verfolgt. Seitwärts der Arkaden ist Raum für unsichtbare Mitspieler.

Bis die Kinder durch den Korridor der Zeit gegangen sind und uns von ihren Spielen erzählen könnten, sind wir nicht mehr da. Die Kinder, die längst keine mehr sind, hätten ohnehin vergessen, was sie damals gespielt hatten.

Denn spielen dürfen selbstverständlich nur Kinder; Erwachsene haben elektronische Nachrichten zu bearbeiten, Schrittzähler einzustellen und zuverlässig dem Navi zu folgen, usw. Das ist kompliziert, man darf stolz sein, solche Tätigkeiten zu beherrschen. Schon als Kind hat man es nicht erwarten können, und nun ist man endlich dran.

Der Weg unter den Arkaden ist weit. Man kann ihn seitlich jederzeit verlassen, aber das wäre ein Abdriften, wie eine Notlandung in unüberschaubarem Gelände, ein Irrweg. Diese Säulenhalle verläuft schnurgerade, sie kennt keine Kurven, keine Nischen, keine Plätze zum Verschnaufen. Rückwärtsgehen ist nicht gern gesehen, es kann im Wiederholungsfall unangenehme Folgen haben.

Ein Bogen reiht sich an den nächsten, ohne Fehl und Tadel. Da bist du auf der sicheren Seite, Kind, wurden die treusorgenden Eltern nicht müde zu wiederholen. Außerdem sei dieser Ort ein würdiger Rahmen für alles, was sich im Leben ergebe.

So gingen die Reden. Keine Erwähnung von Ermüdung oder Langeweile.

Langeweile kann man sich abtrainieren. Durch unablässiges Füllen der Lücken und Hohlräume in der Zeit. Egal womit. Nicht grübeln! Sonst kommt die Langeweile zurück.

Was Ermüdung betrifft, so ist jeder selbst verantwortlich, um nicht zu sagen: daran schuld. Herrgott, wir haben einen von der Natur optimierten und von den Genen der Vorfahren programmierten Körper. Ein Narr, wer damit nicht umzugehen weiß!

Die Vorfahren sind längst verschwunden, und auch du näherst dich nun dem Ende der Arkaden. Du erlaubst dir selten einen flüchtigen Blick zurück auf Schweiß und Tränen, aber einmal entdeckst du am anderen Ende spielende Kinder. Du schüttelst den Kopf. Du schüttelst dich wie ein nasser Hund, als müsstest du etwas abwerfen. Nein, das kann es nicht gewesen sei: So kannst du nicht gewesen sein. Du überblickst ein leerer Korridor, völlig leer, keine Steine, die dir immer wieder in den Weg gelegt worden sind! Kindern beim Spielen zusehen und gleich nostalgisch werden!

Zurückblickend gehst du rückwärts auf die Grube zu, vorsichtig, denn gerade jetzt willst du nicht stolpern, und du denkst tapfer: Arkaden sollten nach Arkadien führen … Per aspera ad astra …


© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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