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einhorn insel der seligen

Ausblicke


An dem Baum vorbei gehen. Wie an denen dahinter. Gehen, einfach gehen.

Wenn du stehen bleibst, kommen Gedanken. Sie sind schon da. Aufmarschiert wie Soldaten. Du bist umringt: Wo gehst du hin? Was ist dort hinten? Was willst du dort? Gibt es dort überhaupt etwas, was die Mühe lohnt?

Mühe, ja, Müdigkeit. Aber anders. Sie steigt auf aus dem Innern des Körpers, sie lässt deine Bewegung stocken. Ihr sollst du nicht ausweichen. Bekommt sie die Ruhe, die sie begehrt, ist sie schon wieder verschwunden.

Der Körper ist genügsam. Er weiß, was er tut, was er braucht.

Die Gedanken wirst du kaum jemals los. Und nur für eine kleine Weile. Sie kommen zurück. Sie insistieren.

Behalte diesen einen: Stell dir vor, dass über allen Farben ein Schleier liegt, der sich vor dir hebt, Stück für Stück, während du gehst.

Du hast die Riesenstädte besucht mit ihren grellbunten Reklamewänden, Stockwerke hoch, du standest unter einem Dauerfeuer von Lichtreflexen, die sich in Augen und Ohren bohrten, bis tief ins Gehirn. Davor bist du geflohen, bist ausgewichen in den Dämmer der Seitenstraßen, fast bis ins Labyrinth der Slums. Du hast dich verirrt. Besser als blind und taub zu sein.

Es ist wahr, auch jetzt weißt du nicht, wohin du gehst.

Bleibst du stehen, kreist dich ein Rudel Zweifel ein, über dir sammeln sich Vogelschwärme, die den Himmel verdecken, und die Schwäche kriecht an dir hoch.

Umkehren?

Hinter dir liegt völlige Klarheit, doch die Farben sind verblichen, die Konturen abgewetzt und verbogen. Dort herrscht Schweigen. Alles ist gesagt.

Gehen ist dein Teil.

Aus allen Gedanken dieser Gedanke: Der Nebel lichtet sich zur rechten Zeit.

Pfützen glänzen auf deinem Weg.