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einhorn insel der seligen

Hidden Eye


Es ist ein Triumph, zweifellos. Das Grün wuchert auf, wird zertreten, wird überspült, wird ausgerissen, die Wurzeln werden besprüht mit Chemikalien – und es keimt nächstes Jahr wieder. Andere Samenkapseln lösen die vom letzten Jahr ab.

Alle reden vom Klimawandel – dieses Unkraut nicht!?

Viele reden vom Klimaschutz. Das klingt so fürsorglich. Als ob man das Klima beschützen sollte! Aber das Klima macht, was es will und verändert sich und den Planeten entsprechend der herrschenden Bedingungen. Eher müsste man die Menschen vor dem Klima schützen.

Aber beim von Menschen gemachten Klimawandel hieße das: Man müsste den Menschen vor den Menschen schützen. Dass das unmöglich ist, zeigt auch der flüchtigste Blick in die Geschichte. Und niemand soll sagen, wir hätten uns doch bitteschön geändert. Wir seien keine Frühmenschen mehr, die in Horden lebten und sich von rohem Fleisch ernährten.

Aggression war immer da und wird nie verschwinden. Und die Technik hat ihr Mittel zur Verfügung gestellt, die einem rasanten Fortschritt folgen. In exponentiellen Kurven. Wir Menschen sind geniale Erfinder. Jede dieser Erfindungen ist sofort vom Militär bzw. den Herrschenden, denen es diente, vereinnahmt worden oder war von ihm direkt inspiriert.

Daneben vermehren sich die sinnlosen Dinge. Der allerheiligste Grundsatz unserer Existenz, das Wachstum, fordert es ein. Kolonnen von Lastwagen und Containerschiffen transportieren sie um die Welt, hin und her. Ein Ding zu besitzen ist schön und kann nicht schaden. Man hat es, weil es die anderen haben oder weil sie es nicht haben. Und man kann es ja jederzeit wegwerfen.

Wachstum ist alternativlos. Wohin aber sollen wir wachsen?

Die Kräutlein auf dem Kanaldeckel haben damit kein Problem. Die Samen gehen auf oder gehen nicht auf, die Art überlebt trotzdem. Und wenn nicht, hat sie anderen Arten Platz gemacht, wobei sich das System der Natur ein bisschen verändert, in die eine oder andere Richtung.

Es hat in der Erdgeschichte globale Massensterben gegeben durch Meteoreinschläge, Vulkanausbrüche, auch durch Eis- und Warmzeiten. Die Natur hat sich verändert und in neuen Formen überlebt. Wir nehmen an, dass sie sich dessen nicht bewusst war (und ist).

Während wir uns der Veränderungen bewusst sind, die wir dem Planeten aufgezwungen haben, aber unser Bewusstsein zu solcher Dummheit erniedrigen, das wir uns weigern, dagegen Maßnahmen zu ergreifen.

Maßnahmen, die mit Opfern, Einbußen, Rückschritten, Mehrarbeit verbunden sind.

Ja, wenn wir die Zukunft kennen würden, fiele es uns leicht, Opfer zu bringen. Dummerweise können wir die Zukunft ziemlich genau voraussehen.

Fast als sähen wir sie durch das eiserne Auge Gottes, das uns aus dem Kanaldeckel schweigend betrachtet.


© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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