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einhorn insel der seligen

Patriarchen


Sitzen da zwei wackere Männer und unterhalten sich. Nicht über Frauen – über harmlose Dinge (als ob Frauen nicht auch harmlos wären, wenn man sie richtig anpackt, wie, Kumpel?). Arglos tauschen sie sich aus. Über ihre Chefs, über den neuen halb-hybriden, aber zum Spotzen neigenden Volkswagen-Prototyp, über die Aussichten des FSV Mainz 05, in der nächsten Spielzeit einen einstelligen Tabellenplatz in der Bundesliga zu erreichen, mit dem neuen Schweizer Trainer, warum auch nicht …


Eine friedliche Szenerie. Zwei andere Männer starten zum Sport. Ein geschmackvolles Hotel überragt den sonst menschenleeren und abfallfreien Kai. Keine Polizei muss eingreifen.


Doch inzwischen haben sich einige Frauen vom Schiff versammelt, eher zufällig. Sie haben die Männer entdeckt, doch diese sind flugs in den Hintergrund getreten. Denn unter ihnen prangt diese Inschrift … In dem Augenblick, wo über der Inschrift diese beiden Männer zu sehen sind, die sich bestens unterhalten, mit reicher Gestik und fröhlichen Gesichtern, da stellt man plötzlich eine Verbindung her …


Die Buchstaben sind vom letzten Hochwasser leicht angekränkelt, haben es aber insgesamt gut überstanden. Nur die Pünktchen von den Ausrufezeichen hat es erwischt. Markige Worte bilden sie, diese an sich harmlosen Buchstaben. Die Schiffsfrauen werden nachdenklich, so kommen sie schnell ins Flüstern. Frauen haben einen stärkeren Mitteilungsdrang als Männer. Insbesondere im Kreise von ihresgleichen. Und weitere Frauen tippeln hinauf zum Sonnendeck. Männer würden von einer weiblichen Zusammenrottung sprechen. Aber nicht aus Neugier ist diese Aktion geboren, sondern man beweist genderorientierte Solidarität. Anscheinend gibt es da etwas, was alle Frauen angeht.


Ohne dass sie etwas dagegen unternehmen können, werden die beiden Mannsbilder am Kai, die sich, wie gesagt, über harmlose Dinge unterhalten, zu Patriarchen. Die beiden Radler sind aus dem Schneider, sie werden umgehend verschwunden sein.


WEGBOMBEN. Da schluckt man erst einmal. Das brächte man schlichtweg nicht fertig.


Gut, man hat gelesen, im Internet finden sich Bastelanleitungen für alles Mögliche, das würde man herausfinden. Die Sache mit dem Zünder – die Explosion müsste ja aus der Distanz ausgelöst werden – ach ja, oben, hinter den Bäumen, da ist so ein Häuschen, da sind viele vor dem Trip in die Stadt aufs Klo gegangen – da könnte man sich platzieren. Ohne Sichtkontakt, allerdings. Oder wäre das nicht eher von Vorteil?


WEGBOMBEN. Gäbe es denn keine Alternativen?


Gift, der Klassiker. Gefährlich. Gläser, Teller, Schüsseln können leicht verwechselt werden. Mit Hilfe von Werkzeugen? Alles ziemlich unhandlich und schwer, erfordert Training: Axt, Hammer, Stemmeisen … Dito für eine Kugel. Außerdem braucht man dafür einen guten Schalldämpfer. Und nicht zu vergessen: das Saubermachen danach, wenn es zuhause geschieht, absolut eklig.


WEGBOMBEN. Da flöge mit der Zielperson auch die ganze Umgebung in die Luft, würde zerfetzt, wenn nicht atomisiert. Da hätte es die Spurensicherung am schwersten.


Hm.


Meistens sind es Gedanken, die da in den schön frisierten Köpfen kreisen, selten Worte. Und wenn, umschreibt man lieber, findet geheimnisvolle Metaphern. Mädchen waren im Deutschunterricht stets den Jungs überlegen. Später ist dazugekommen, dass sie häufig Krimis lesen.


Die von ihren Frauen verlassenen Männer sitzen entspannt unten im Aufenthaltsraum, dösen, spielen Karten. Sie strecken genüsslich die Beine aus unter dem Tisch, sie nesteln an der Kleidung. Sie haben die Drohschrift am Kai natürlich auch gesehen, haben kurz gegrinst und sie wieder vergessen. Was für ein Aufwand, haben vielleicht manche gedacht, solch riesige Buchstaben in einem oder sogar mehreren Booten kauernd mühsam dorthin zu pinseln für so einen Mist von einer message! Diese sollte wohl auch vom Gegenufer aus, auch für das andere Bundesland, lesbar sein, aber unsere Ehegesponse können nicht gut schätzen, da haben sie keine Peilung! Schließlich handelt es sich nicht um irgendein Flüsschen, auf dem wir schippern, sondern um den Rhein!


Einige wenige Männer haben sich dennoch von der Inschrift anregen lassen und diskutieren. Die eine Gruppe streitet sich, ob man jetzt von weiblichen Terroristen oder von Terroristinnen sprechen und wie das in den Medien geschrieben werden solle: Terror(ist)innen oder mit Schrägstrich oder mit Sternchen in der Wortmitte.


Die andere Gruppe bevorzugt die grundsätzlichere Frage: Was heißt eigentlich Patriarchat? Man gehört ja selber nicht dazu, da kann man auf eine annähernd objektive Lösung hoffen …


Lehrer-Persönlichkeiten gibt es überall, man entkommt ihnen nicht.



Zu guter Letzt, das werden Sie sich schon gedacht haben, geschieht vorerst weiter nichts.