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einhorn insel der seligen

Organisiert euch!


Es kommt der Drang, wann er will.

Wenn kein Gebüsch in Reichweite, dann hab ein Gefäß zur Hand, falls erforderlich, nimm zwei. Ein Gefäß fürs Gesäß, ein Gefäß fürs Gemächt. Achtung! Die Hose zuvor herunterziehen. Nicht auf ihr herumtrampeln. Sie nicht in Reichweite des Ausgusses der Gefäße zu Boden werfen. Denn die Gefäße müssen aufgrund unserer Anatomie schräg gehalten werden (insbesondere wenn beide gleichzeitig im Einsatz sind), so dass ihr Volumen manchmal nicht ausreicht und Flüssiges oder Breiiges herausschwappt. Gefäße sind nach Beendigung des Ausflusses sorgsam abzusetzen, um Verunreinigungen zu vermeiden.

Empfehlenswert ist Einsamkeit. Keine Bange, sie ist ja nur vorübergehend. Schließ die Tür und schieb den Riegel vor, falls vorhanden. Vertraue bei Störungen (Pochen, Rütteln, Wehklagen usw.) auf deine Stimme. Schildere bewegt, aber gefühlvoll deine Zwangslage. Sichere dir vor einer Auslandsreise die entsprechenden Vokabeln, am besten in Latein.

Notfalls genügt eine stille Ecke. Je weitläufiger das Gebäude, umso leichter sind solche Örtlichkeiten aufzuspüren. Zufällig Vorbeikommende sind oft durch Geräusche und Gerüche vorgewarnt.

Gefäße sind schwerer zu finden als stille Ecken. Kaum jemand trägt sie stets mit sich herum, sie sind sperriges Gepäck. Textile Beutel sind schwer zu reinigen.

Vielversprechend sind Küchen, wo man häufig fündig wird. In Abstellräumen trifft man dagegen leicht auf bereits mit nahrhaften Dingen gefüllte Exemplare. Hier Hände weg und keineswegs die Entleerung vollziehen, sei sie auch noch so dringlich.

Manchmal findet man in besonders vornehmen Gebäuden stille Ecken mit einem kreisrunden Loch in einer Sitzfläche, wobei sich unterhalb des Lochs nur freier Luftraum befindet. Hier benötigt man bei korrekter Sitzposition überhaupt keine Gefäße. Fragen Sie ungescheut nach dem Ab-Tritt oder Ab-Ort. Diese Lokalität heißt so, seltsamerweise sagt man nicht Ab-Sitz. Aber das sollte Sie in ihrer Not nicht beeinträchtigen. Bei Nicht-Schwindelfreiheit können einschlägige Probleme auftreten. Von Nutzung ist abzuraten, wenn das Gebäude eine Burg oder Festung ist und belagert wird. Dann droht Beschuss.

Nach Vollzug stellt sich das Problem der Reinigung. Es tritt vorne kaum auf, wohl aber geballt im hinteren Bereich. Eine angemessene Menge an Laub stets bei sich zu führen ist machbar und, wenn ich so sagen darf, zumutbar. Denn damit in Zusammenhang steht die Frage nach den Gerüchen. Von dem Nutzer von stiller Ecke und ggf. hauseigenen Gefäßen darf nicht nur erwartet werden, dass der Nutzer die benutzten Gefäße sofort leert (aber Achtung: bei straßenseitiger Entleerung sollte nicht zufällig eine vorbeispazierende höherrangige Persönlichkeit getroffen werden) und sie nach Leerung ohne Verzug der Nachsorge eines Dienstboten übergibt, sondern auch dass er nicht etwas Unsichtbares mit sich führt, was man bei übermäßigem Weingenuss metaphorisch eine Fahne nennt, hier aber als Wolke von Gestank jenseits von Toleranz und Metaphorik die zugehörige Person bloßstellt.

Angesichts solcher Einschränkungen, denk daran: Wenn dir dein Körper die Zeit lässt, wähle das Gebüsch. Du benötigst kein Gefäß, Blätter gibt es im im Überfluss, zumindest im Sommer, und meist plätschert unweit ein Bächlein. Das Risiko: Stacheln, Brennnesseln, Vipern.

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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