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einhorn insel der seligen

Liebe Zement


Um Begriffe wird viel gestritten.

Zement ist kein Begriff. Zement ist für die Handfesten, die Macher, die Entscheider.

Aus Zement entstehen gebaute Sachen: Böden, Mauern, Häuser, Brücken, Keller; auch Mausoleen.

Zement bekämpft allenthalben erfolgreich die Natur. Es wuchere kein Unkraut um das Haus des Gerechten. Nicht sein Fuß, nicht seine Hand streife Löwenzahn oder Brennnessel, wenn er zum Rauchen hinausgeht.

Solch Nutzen bedarf keiner Rechtfertigung. Dennoch weisen den Wanderer manchmal textgefüllte Tafeln hin auf die mit dem Bau eines Gebäudes verbundene Absicht.

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Ob Liebe nützlich sei, darüber ist die Welt uneins. Obwohl man auch mit ihr baut, auf sie baut, mit ihr Gebäude errichten will, Schlösser, Gutshöfe oder Seelentempel.

Die Liebe verdrängt keineswegs die Natur. Oft wird sie sogar mit ihr gleichgesetzt. Dann teilt sie das Risiko, verdrängt zu werden von kalten, toten Produkten wie Zement.

Liebe sollte gleichwohl wie Zement binden, das wünschte man sich. Eine Zementene Hochzeit ist allerdings als Schmuckwort nicht geläufig, weil Zement im Gegensatz zu Eisen, Silber, Gold oder Diamant irgendwann zu bröckeln beginnt.

Vielleicht erst nach Jahrhunderten, wer weiß?

Liebe kennt keine erläuternden Tafeln. Aus Liebe kann man nichts lernen, nichts begreifen. Aus einer Liebe kann man auf keine andere schließen. Es heißt ja, sie komme und gehe wie der Wind in den Blättern.

Und dennoch ist das Rauschen in den Blättern unwiderstehlich.

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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