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einhorn insel der seligen

Gigant


Steht da ein Wächter. Bewacht diese Mulde, diese Bäume, dieses Stück Himmel sogar. Lässt mich nicht vorbei. Weil ich Angst vor ihm habe. Weil die Waffe, die er geschultert hat, mich treffen könnte.

Dabei ist er, so riesengroß er ist, auch so schwerfällig. Ich hinke zwar, aber ich hätte Möglichkeiten, an ihm vorbei zu kommen. Einfach ausweichen; nach links, nach rechts.

Noch stehe ich ihm gegenüber. Sein Schnabelgesicht zeigt keine Regung. Doch sein Blick ruht unverwandt auf mir, dem Störenfried.

Kein Zweifel, es ist ein Paradies, das er bewacht. Wäre dieses Stück fröhliche, frühlingshafte Natur kein Paradies, so wäre kein Wächter aufgeboten, es zu verteidigen.


Er ist stumm, ich fürchte, er kann gar nicht sprechen. Was aber hätte ich ihm zu sagen?


Ich könnte zurückgehen, das heißt, rückwärts, Schritt für Schritt, um ihn nicht zu reizen. Um mir keine Blöße zu geben, wenn ich mich umdrehte. Um ihn im Auge zu behalten. Diesen Koloss.

Doch die Blöße habe ich mir schon gegeben: Denn ich bin nicht einfach an ihm vorbei gegangen, die Senke hinunter, leichtfüßig trotz meines Stocks, und habe nicht Kurs genommen, die Findlingsblöcke ohne weiteres durchschreitend, auf den Schatten der Bäume.

Ich hätte dann zurückgeblickt und gesehen, wie er von hinten aussieht, und gelacht.


Diese schöne Idee hat von ihrer Macht eingebüßt durch mein Trippeln auf der Stelle, mein Ichweißnichtwohin, mein Sooderso.


Es ist schwer, mir klar zu machen, dass ich selbst dieser Wächter bin und dem Paradies den Rücken zukehre. Und da steht ein anderer vor mir und macht Faxen.