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einhorn insel der seligen

Schleier


Dort ist alles, was du dir erträumen magst. Es gibt eine Welt hinter der Welt, manchmal reißt der Schleier. Es muss nicht im Traum geschehen. Aber solange du wach bist, beschäftigen dich der Weg vor dir, den du betrittst, die Dinge, nach denen du greifst, und all das Schöne und all das Schlimme, was sich vor deinen Augen abspielt.

Halt es fest, wenn es über dich kommt, wenn unversehens aus der Unschärfe klare Konturen wachsen, die eine Form annehmen und eine Bedeutung. Dann musst du die Auseinandersetzung annehmen, Stellung beziehen, eine Strategie entwickeln. Da steht auf einmal eine andere Wirklichkeit vor dir, eine, die sich deckt mit deinem Traum oder ihm krass zuwiderläuft. Du hast ein anderes, neues Territorium betreten. Du kannst es erobern. Du musst es verteidigen.

Du kannst auch umkehren. Aber was sich dir aufgetan hat, wird bleiben, auch wenn du dich vergräbst in deine bisherige Welt. Die Erinnerung an den Moment der Öffnung, der Enthüllung wirst du kaum jemals wieder abtun können. Der Stachel wird in dir bleiben, der Stachel, am Beginn eines anderen Wegs gestanden und diesen nicht angenommen zu haben.

Jeder Weg gabelt sich und gabelt sich immer fort. An jedem Scheideweg stellst du dir Fragen. Du blickst zurück, du blickst seitwärts, wo deine Freunde wie deine Feinde ihre Wahl treffen müssen, wie du. Immer geht es ins Ungewisse, und manchmal schmerzt sogar die so erwünschte Klarheit.

Das undurchdringlich Trübe scheint dich zu schützen. Wer die Gefahr nicht kennt, hat keine Angst vor ihr. Wer den Moment des Glücks nicht greifbar vor sich sieht, dem schafft Leidenschaft kein Leid. Aber wenn du Konsequenzen ziehst aus der Formel Ich weiß, dass ich nichts weiß, und alles, was der Klarheit entbehrt, für dich so belässt, wird es immer brodeln in dir. Auch in der tiefsten Trägheit wohnt eine Neugier, die keine Ruhe gibt.

Wenn du dich in der Unbestimmtheit lebendiger Formen verlierst, kannst du aber auch dich selbst finden, widersprüchlich und zögerlich, wie du bist. Dann ist weggeblendet, was du nur von außen sehen kannst, dich, wie dich der Spiegel zeigt, und was du aufgebaut oder was du zerstört hast.

Wenn der Schleier über dir liegt, wirst du dich vielleicht anders sehen.