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einhorn insel der seligen

Der Teufel steckt im Detail


Es kommt eher harmlos daher, dein Leben. Manchmal war dir die Sicht verbaut. Manchmal hast du hingebungsvoll geglotzt und nichts gesehen. Aber durchgekommen bist du immer. Vielmehr hast du die Lage so beurteilt: Durchgekommen. Und abgehakt. Und keiner hat widersprochen.


Du erinnerst dich an Fälle, da war etwas wie vernagelt. Ohne dass man die Hand, die den Hammer geführt hat, hätte sehen können. Es hat nicht weh getan, da geht einer leicht drüber weg. Ein paar blaue Flecken, eine Beule vielleicht, soll man da groß nachdenken. Eher nicht, oder?


Reden ist immer möglich. Reden darüber oder wenigstens – drum herum. Nie hättest du dir den Mund verbieten lassen! Nie! Aber oft hast du keine Lust verspürt, ihn aufzumachen. War das feige? Nein, es war träge. Die Trägheit ist eine Todsünde, die Feigheit nicht. Komisch.


Wenn du Kette hörst, denkst du an Kettenraucher. Es soll noch immer welche geben. Im Mittelalter und noch früher, da lagen die Gefangenen in Ketten (und stöhnten; und aßen und tranken und erleichterten sich nur unter großen Mühen). War gemein, ist aber passé. Heutzutage gibt es Fernseher in der Zelle, und ein Wärter repariert ihn, wenn er kaputt ist. Sogar die Terroristen haben einen Anspruch. Fernsehen bildet. Fernsehen ist nicht nur blöd.

Beim Ochsen ist die Kette durch einen Nasenring gegangen. Da hat ab und zu einer dran gezogen. Ja, und? Du bist doch kein Ochse.


Ein Hufeisen bringt Glück. Wenn einer daran glaubt. Wirklich nur dann. Wir sind doch aufgeklärte Menschen. Nun, schaden kann es einem auch nicht.


Die genialste Erfindung nach dem Rad ist das Zahnrad. Das surrt und schnurrt unhörbar in deiner Uhr, metaphorisch bringt es dein Hirn auf Vordermann. Aber nur, wenn es nicht allein ist. Es muss sich verzahnen. Sonst steht es still. Genau wie ein Hebel, der nichts hebt oder kippt. Was soll der? Man wirft ihn weg.


Du hast dich durchgeboxt. Selten allerdings mit dem Kopf durch die Wand, so wie jetzt. Und, offen gesagt, hast du nicht wirklich geboxt, du hast gewartet, bis der Gegner die Lust verliert oder aus sonst einem Grund das Feld räumt. Deine Wände, durch die du den Kopf gesteckt hast, waren aus Papier, höchstens aus Gummi. Das scheuerte kaum.


Jetzt aber ist alles anders. Du hängst wie eine Trophäe an der Wand, wie ein Hirschgeweih, wie ein Schweinskopf. Und all der Klunker aus Metall verdeckt dein Gesicht. Wo ist es überhaupt, dein Gesicht? Irgendwie verschütt gegangen. Nein, sag nichts. Das klirrt bloß und klappert.

Wenn du wenigstens das wärst, wofür man dich von Weitem hält: ein Teufel. Oder ein Satyr, das wäre noch viel lustiger.


Aber leider, leider …

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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