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einhorn insel der seligen

Woher Wohin


Für kurze Zeit, ein paar Jahrmillionen lang, vermögen massive Schichten Gestein parallel zu liegen, sogar übereinander aufzugipfeln, sind nur leichten Erschütterungen ausgesetzt. Mit einem Mal kehren sich die Kräfte um, und sie kippen, stürzen, tauchen ab, verlieren sich in unauslotbaren Tiefen. Fest aneinander haftende Knäuel von Materie werden zerrissen, Festes wird flüssig, Flüssiges wirft Blasen, gerinnt. Magnetische Felder bündeln die Elemente. Solche Bündel schicken sich an zu explodieren.

Die Erde ist ein wabernder, schillernder Teig.

Der Planet atmet. Dünner oder dichter wird der Gasmantel, die Atmosphäre. Meteore durchstoßen sie, verglühen oder schlagen Wunden im festen Grund, bringen galaktischen Staub und Kometenstein, lassen Narben. Sie teilen die Fluten der Ozeane, lassen sie aufschwappen über die Küsten. Sonnenwinde schleudern Teilchen an die Peripherie, die abprallen, selten eindringen, dann aber große Turbulenzen erzeugen. Die Farben der Elemente changieren, unablässig werden sie neu gemischt.

Die Erde ist ein Kaleidoskop.

Meere trocknen aus und Bergstürze gehen nieder, Krater klaffen auf, Spalten schließen sich. Masse aus dem Innern bahnt sich mit Gewalt Wege nach oben, ergießt sich über unübersehbare Räume. Die Sockel der Kontinente driften auseinander und kollidieren erneut. Jede Fläche, jede Erhebung formt sich unablässig neu, zerfällt in Teile, in unzählige Objekte verschiedenster Konsistenz.

Die Erde ist ein Bazar.

Wir haben nur den Sekundenblick. Rundum sehen wir Struktur, fest gefügt. Gelb ist uns gelb, Blau ist uns blau, und so fort. Wir sehen Mischung als Ergebnis, wir sehen Bewegung durch die Zeitlupe unseres kurzen Lebens. Wir existieren in der Illusion oder im Rausch des Stillstands.

Die Erde ist ein Garten. Er entspringt unserer Phantasie. Wir pflegen ihn, wir verwüsten ihn. Er ist uns Anfang und Ende.

Doch da ist keine Garten. Da ist weder Anfang noch Ende.