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einhorn insel der seligen

Der Pfeil


Etwas wird geblieben sein von uns.

Ich träume von einer Zeit, über die man nicht reden kann.

Ein Zeichen an der Wand einer Berghütte. Schwere Steine befestigen ihr Dach. Man kann sie im Sommer als Lagerraum brauchen, im Winter liegt sie leer geräumt unterm Schnee.

Sie könnte, Fenster und Türen verrammelt, zu einem Zufluchtsort geworden sein, wenn marodierende Banden herumziehen und es ums pure Überleben geht.

Lag sie abseits und wurde nicht gefunden?


Ein Pfeil will treffen, will eine Botschaft übermitteln.

Er wächst aus einem Gewimmel verblasster, verwischter Zeichen. Zeigt er auf Spuren einer Skizze? Unleserlich. Eine tote Schrift.

Ein Hilferuf? Ein Hinweis auf versteckte Beute? Eine Verabredung zum Töten?

Oder Gekritzel. Absichtlos. Jemand hackt mit einem stumpfen Messer oder einer abgebrochenen Klinge im Holz herum. Mutwille, Übermut – oder Todesangst: etwas zerstören, bevor man selbst zerstört wird?

Die Wurmlöcher – sehen sie nicht aus wie Male von Beschuss?

Etwas ist geblieben. Wie Abdrücke von Händen an einer Höhlenwand. Wir sind da. Wenigstens ich bin noch da.

Wer wollte gelebt haben für nichts?

Wer wollte zugeben, dass nach ihm nichts kommen wird?


Ein Zeichen, das niemand lesen, das niemand verstehen wird, ist kein Zeichen mehr.

Es kommt in Träumen vor, und wir reiben uns die Augen, wenn wir erwachen.

Es ist weder Wahrheit noch Wirklichkeit.

Kein Schütze, kein Ziel.

Es ist da.