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einhorn insel der seligen

Wunderkammer


Wie es genau gewesen ist? Man wird es nie wissen.

Es gibt deutliche Spuren, die einen Kampf vermuten lassen: Risse, Narben, Blutflecke. Dazu kommt, dass dieser geschundene Körper sich in eine Mülldeponie verwandelt sah, dass Zigaretten auf ihm ausgedrückt wurden, dass verrotzte Taschentücher und nach Fisch stinkende Servietten in ihm Aufnahme fanden.

Höhnische Tätowierungen und demütigende Aufkleber wurden angebracht.

(Schlüssige Beweise liefert nichts von alledem)

Das zweifach durch Öffnungen nach außen geführte Kabel lässt als kritisches Moment, das zu Gewalttaten geführt haben mag, eine Art von Gefährlichkeit vermuten – eine scheinbare oder eingebildete oder nur unterstellte. Wahrscheinlich letzteres.

(Gewalt hat jedenfalls stattgefunden)

Dass solche Überreste einer fernen Vergangenheit entdeckt werden, beruht fast immer auf Zufall. Und manche sagen, es müsse doch nicht jeder solche Zufallsfund wissenschaftlich analysiert werden. Das hat etwas für sich. Die Natur, die diesen Kadaver vorübergehend freigab, würde ihn binnen Kurzem erneut überwuchert haben.

Geschichte birgt unzählige Gewalttaten, aufgrund derer wir uns überhaupt erst an eine bestimmte Zeit oder Situation oder Person erinnern. Wir sagen aber: Napoleon. Nicht: Massenmörder. Sollte man die Zahl solcher Erinnerungen ad infinitum anwachsen lassen?

Ist es eine Schlüsselkompetenz für uns, Rohheit zu zeigen und rücksichtslos niederzureißen, zuzuschlagen, zuzutreten, totzuwürgen? Konnten wir uns nur so behaupten?

Gewalt ist Naturzustand. Nahrungsaufnahme setzt Gewalt voraus: das Tier muss getötet werden, bevor es verspeist werden kann. Ohne Nahrung sterben Mensch und Tier. Für jedes Naturwesen genießt die Selbsterhaltung oberste Priorität.

(Binsenweisheiten)

Der/die/das hier hat es nicht geschafft. Sein oder seine Gegner schon. Vorläufig.

Bis an der nächsten Wegbiegung, hinter der nächsten Ecke …