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einhorn insel der seligen

Schrott


Sterben – da sagt sich so leicht. Alles muss sterben, oberflächlich begreifen es schon die Kinder. Ein Knick im Leben lässt sich manchmal reparieren. Mit einem Auge oder mit einem Bein kannst du weitermachen. Mit kaputten Knien kannst du noch immer Gewichte stemmen. Aber sterben – das begreifst du nicht, sobald du dir mit dem Denken ein wenig Mühe gibst.

Weg sein, tot und begraben. Zwischen hölzernen Planken langsam verfaulen oder, zu Asche geworden, sich in einem anderen Element auflösen. Als wäre nichts gewesen. Als wäre zuvor nie etwas gewesen.

So steht es.

Was tun? Spuren hinterlassen. Das geht nur im Leben. Das ging bis jetzt und geht vielleicht noch eine kleine Weile.

Was könnten das für Spuren sein? Eine berechtigte Frage. Und die Antwort, wo bleibt sie?

Und sonst?

Was ist das gewesen, was war und nun – stell dir vor, der Moment sei gekommen – aufhören wird. AUFHÖREN. Vielleicht denkst du an die unzähligen Wesen, die eine viel kürzere Lebensspanne zu erwarten haben als du, oder an die wenigen, die dich an Lebenszeit übertreffen. Und schon wieder hat dich diese Manie des Vergleichens überwältigt (übertölpelt?).

Es geht um ganz etwas anderes. Um was? Wieder eine sehr gute Frage.

Es gibt nur leider ebenso wenig eine befriedigende Antwort. Liegt das an unserer Unfähigkeit, Zufriedenheit, ja den Frieden selbst zu schätzen? Woher hat der Friedhof seinen Namen? Nur von der Umfriedung?

Vor dem Sterben kommt oft das Verrotten. Du wirst in eine Ecke gestellt, weil du nicht mehr gebraucht wirst, weil du manche Dinge nicht mehr erledigen kannst mangels Muskelkraft oder weil dein Hirn sich nicht mehr auf Neues einstellen mag. Du bist aber noch nicht tot, du nimmst noch vieles wahr, vor allem dies: Niemand nimmt mehr Notiz von dir.

Was nach dem Sterben kommt: diese Frage wagst du gar nicht mehr zu stellen. Wer Nichts! sagt, hat nur das Wort gesagt. Wer an gleicher Stelle eine x-beliebige Theologie bemühen möchte, dem geht es nicht anders. Also bleibt: Schweigen.

Gedanken können aber nicht schweigen. Sie kommen und gehen, wie und wann sie wollen. Wie es weitergehen mag nach dem Tod, das beschäftigt sie: Gedanken-Haufen, ja, Gedanken-Halden bilden sich da. Jedoch keine Ordnung, kein Fazit. Sondern Anarchie.

Dieser Rucksack voll Anarchie schwillt, und sein Gewicht nimmt stetig zu.

Gut eigentlich, dass damit einmal Schluss ist.


© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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