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einhorn insel der seligen

Blaue Stunde


Wohltätigkeitsveranstaltungen sind stets ein Event. Man ist unter Promis, man bleibt unter sich. Es darf (es soll) schrankenlos fotografiert werden. Speisen und Getränke kosten nichts. In großzügigen Räumlichkeiten wird getanzt.

Nur eine angemessene kleine Spende wird erwartet und bei den Ladies das neueste Kleid etc. pp.

Eine runde Sache.

Rentabel.

Was übrig bleibt, überlässt man großzügig den Tafeln und dem Reinigungspersonal.

So kommen auch Menschen, für die die Veranstaltung nicht gedacht war (sie werden ja ausreichend entlohnt bzw. tatkräftig unterstützt), auf ihre Kosten.

Für die Öffentlichkeitswirkung wichtig ist, dass kulinarisch einiges geboten wird. Auch die Köche kommen zu kostenfreier Werbung in eigener Sache.

Neue Cocktails werden kreiert. Nach selbstverständlich geheimer Rezeptur. Solche Geheimnisse zu lüften ist für ehrgeizige Reporter stets ein Ansporn.

Im Übrigen gibt es für sie viel zu entdecken, viel zu schreiben: kleine Bonmots, wuchernde Lobhudeleien, lustige Versprecher, Animositäten, noch unentdeckte Schwangerschaften, verrutschte BH-Träger etc. pp.

Rentabilität entscheidet.

Den Promis ist es weitgehend egal, wodurch ihr Bekanntheitsgrad Spitzenwerte erreicht.

Die Reichen und Schönen zelebrieren ihren Auftritt. Die Käufer der Magazine betrachten die Fotos und nicken. Sie dürfen teilhaben am Treiben der Großen.

Und – das wird über der großen Sause gelegentlich vergessen – es geht um Mitmenschlichkeit. Es geht, wie schon gesagt, ums Teilen. Jeder bekommt ein Stück vom großen Kuchen. Wir erinnern uns an das Elend in der Dritten Welt ...

Wenn eine gewöhnliche Reinigungskraft den Gedanken z.B. so fortsetzen würde:

… - wohin wir seit fünfzig Jahren Waffen liefern …

wäre das für Event-Reporter wohl kaum zitierwürdig.

Wenn dagegen der Staatspräsident …

Halt! Ein Staatspräsident hat diplomatisch zu sein. Er würde derlei niemals äußern.

Zu pauschal. Zu krud.

Politik muss rentabel bleiben.

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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