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einhorn insel der seligen

Gebrochen


Die Dinge sind nicht so, wie sie sind. Sie sind da, du greifst nach ihnen, willst sie berühren oder willst durch sie hindurch gehen, doch da ist die Barriere. Stopp.

Du wirst nicht antasten, was du zu sehen glaubst. Es wäre der Versuch einer Vereinnahmung, der dir nicht zusteht.

Die Meister sagen dir: du kannst denken, das muss genügen. In deiner Phantasie kannst du Tausende von Welten hervorbringen und dich in ihnen tummeln, kannst mit ihnen spielen, sie wieder zerstören. Was willst du noch mehr? Du bist unersättlich.

Das stimmt.

Was soll ich aber von dem denken, was hinter der Barriere existiert? Keine Parallelwelt, sondern Strukturen, die sich ineinander schieben, davor eine transparente Wand, als würde ich Gewebe unterm Mikroskop betrachten. Im Grunde banal, simpel: zwei Fassaden, drei Farben. Aber in meinem Kopf passt das nicht. Vielleicht in einem Traum? Aber an Träume erinnere ich mich kaum je.

Denke nichts, sagen andere Meister. Lass dich nicht bluffen.

Die Augen wollen aber nicht nur etwas im Blick erfassen, was sie sofort wieder verlieren, sondern sie wollen festhalten, den Eindruck speichern, das Bild verstehen. Die Augen sind anders unterwegs als die Phantasie, sie lassen sich nicht gehen, kontrolliert wollen sie erforschen, was immer ihnen möglich ist.

Du blickst in einen Spiegel, sagen endlich Meister, die mein Bestes wollen. Dreh dich um, und das Trugbild ist verschwunden. Der Spiegel hat dich genarrt. Er hat dir eine Scheinwelt vorgegaukelt. Vielmehr: du hast dich selbst betrogen. Es gibt nur die eine Welt, die deine.


Umso mehr werde ich leiden an meiner Unersättlichkeit, die das Banale verrätselt und das Simple verklausuliert.

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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