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einhorn insel der seligen

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Dies bleibt übrig. Solche Dinge, die Wölfe und Geier nicht anrühren. Sie eignen sich auch nicht zum Spielen für Tierjunge. Und kaum zum Ranken für Kletterpflanzen.

Etwas soll, etwas muss übrig bleiben von uns. Kein Ochs oder Esel hätte es erdenken können. Ameisen und Kabeljaus sind praktischer veranlagt als wir. Sie haben nie Erfindungen benötigt, mit denen wir uns schmücken durften.

Unser Ruhm überlebt uns. Triumph des Geistes.

Wo hält sich aber dieser Geist jetzt auf? Er kann sich ja nicht einfach verflüchtigt haben. Auf uns muss er verzichten. Aber gibt es ihn noch – ohne uns?

Früher einmal hieß es: Der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Stimmt insofern, als wir ohne Wasser nie existiert hätten. Außer vielleicht in einer alternativen (womöglich grauenhaften) Lebensform. Mit Gott hatten wir lange Zeit wesentlich mehr Probleme als mit Wasser. Zuletzt hat sich das umgekehrt. Aber Geist? Ständig stritten sich einzelne Geister, was zur Folge hatte, dass Körper sich gegenseitig auslöschten. Meist im Kollektiv. Dann gab es noch den etwas harmloseren Geist der Zeit. Und, last not least, unsere kreative Potenz. Alles Inkarnationen, so vermuteten wir von Gottes Geist. Oder Höhenflüge der Natur. Deus sive Natura. Weiter haben wir es geistig nie gebracht.

Und der Ruhm? Nun spricht er zu niemandem und schallt und verhallt ins Leere.

Stattdessen diese Dinge: Werkzeuge hießen sie bei uns, als wir noch das Wort hatten. Teilen, Zerkleinern, Formen, Fixieren – das waren ihre Aufgaben, und vieles mehr. Wir nahmen sie in die Hand, um anderen Dingen unseren Willen aufzuzwingen. Am Ende waren die Werkzeug-Dinge soweit, derlei Aufgaben sich selbst zu stellen und ohne unser Zutun auszuführen. Wir verloren die Existenzberechtigung.

Allerdings musste jeder einzelne von uns auch vorher schon sterben.

Mithin kein Grund, die Entwicklung zu beklagen.

Was ohnehin nicht mehr möglich ist.