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einhorn insel der seligen

EINE ENTSPA


Lesen ist eine Zwangshandlung. Das weiße Papier und die beflissenen, kleinen, schwarzen Zeichen halten dich in Schach. Selbst aus dem Chaos der Zerstörung blicken sie dich unverwandt an.

Indessen hat das flache Blatt die dritte Dimension erobert. Der Text behält seine Mitte und verliert seinen Sinn.

Lass dir Zwang antun. Lies. Erobere eine unbekannte Welt und forme sie nach Gutdünken. Du bist frei. Was wird jedoch dabei dein SYSTEM sein? Wirst du am Ende staunen? Über dich?

Der Text hat einen Körper bekommen. Er atmet. Manchen, die vorübergehen, wedelt er schüchtern etwas hinüber. Braucht er Beistand? Ruft er um Hilfe?

Auf einer schmutzigen Fläche platziert, wirkt er wie deren Auswuchs, der hineingreift in den klaren Raum des Spaziergängers und ihn verwirren will. Da drängeln die meisten rasch weiter. Wer würde einem Rätsel vertrauen? Man hat ein Ziel, lässt sich nicht ablenken. So geht man auch am Bettler vorbei, ohne eine Münze in sein Körbchen zu werfen.

Ordnung muss gesetzt werden gegen Unordnung.

Wer einen Text an eine Wand klebt, will etwas mitteilen. Wer einen Text zerstört, muss ihn nicht vorher gelesen haben, muss ihn nicht verdammen oder hassen. Trotzdem würden beide, Verfasser wie Zerstörer, es weit von sich weisen, Agenten des Zufalls gewesen zu sein. Eher würden sie zugeben, sich einen Jux gemacht zu haben.

Immer noch stehst du vor dem Gebilde, liest, kombinierst, schüttelst den Kopf. Ist die Art und Weise, wie der Text verstümmelt wurde, dem Zufall geschuldet? Oder wurde dieses oder jenes Wort mit Bedacht verschont?

Hatte der Text vor seiner Verstümmelung überhaupt einen Sinn?

Lass! Noch etwas schaut zu dir herüber. Es ist blau.

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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