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einhorn insel der seligen

Vyru papludimys


Hier sind wir und staunen. Wohin aber werden wir gelangen? Vorschriftsmäßig angetan mit höchstens einem Slip?

Wer hinausgeht in die Welt, muss lesen können. Die Brille muss er auch als Slipträger oder Slipmuffel mit sich führen. Auch Mietautopapiere, Scheckkarte, Ausweis. Die Polizei versteht nirgendwo Spaß.

Dunkle Körper, so vermuten wir, werden Gebüsch und Wäldchen umrunden, helle Körper begeben sich mitten hinein und schlagen sich durch. Werden sich alle wiederfinden hinter den Föhren? Und wie? - Will sagen: in welchem Zustand?

Zweifel fällt uns an. Gibt es nicht auch unregelmäßig gemusterte Körper? Etwa solche, verziert mit Tatoos? Welchen Weg hätte Feirefiz, Parzivals Stiefbruder, wohl eingeschlagen?

Wie ein Triumphbogen ragen die drei Schilder hoch auf über unseren Köpfen. Wir machen unwillkürlich kleiner werdende Schritte, doch bewahren wir immerhin eine kerzengerade Haltung. Wir wollen nicht feige sein und noch weniger feige scheinen.

Was aber sollen die Paare nach Durchqueren der Büsche beginnen? Hast du die Dornen gesehen? Polster von Moos, um darauf auszuruhen und die Kratzwunden zu pflegen, wird es nur in geringer Zahl geben.

Und was wird aus den Einzelpersonen, die gehalten sind, sich seitwärts zu verfügen?

(Früher war es genau so geregelt in unseren Kirchen: die Damen mit den Mädchen auf der einen, die Herren und Knaben auf der anderen Seite. Im Mittelgang zwei Reihen zur Kommunion. Ebenfalls mit gehörigem Abstand voneinander. Allerdings wäre auch an den Hundstagen das Tragen von Slips unangemessen gewesen.)

Männer können sich auf eine klare Anweisung stützen. Frauen traut man zu, sich ohne dieselbe zurechtzufinden. Liegt hier eine Diskriminierung vor?

Trennung der Unpaarigen nach rechts, nach links wie dereinst in Schafe und Böcke?

Törichte Gedanken! Siehst du nicht die Wellenlinien? Irgendwo dort hinten wartet das Meer, der Strand, der Sand. Dort räkeln sich die Schafe, während die Böcke um sie kämpfen. Wie allenthalben. Selbst auf den Almen ist dies der Brauch.

Verständlicherweise gilt die Kampfempfehlung nicht grundsätzlich für die, die sich zweisam, sittig und mittig durch das Unterholz des Waldes geschlagen haben und nun genießen, Zuschauer zu sein. Nur wenige Paare haben sich auf dem zugegeben schwierigen, aber doch kurzen Weg so zerstritten, dass sie beim Heraustreten auf den Strand auseinanderstieben und dem Beispiel der Alleinwanderer folgen.

Manche Böcke verweigern den Kampfmodus und versuchen, ein Schaf zur gemeinsamen Bernsteinsuche zu ermutigen.

Andere kehren entrüstet um. Keine Deckung!

Andere wühlen entnervt im Sand wie Hunde oder Katzen.

Wieder andere mampfen ihre Stullen.

So geht es dahin.

Und irgendwann, irgendwann wird wieder Winter sein.


© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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