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einhorn insel der seligen

Sklavenmarkt


Das Fahrrad. Wird es bewacht? Oder wird es in der nächsten Sekunde entwendet werden? Gesichert ist es nicht.

Was hat er da herum zu stehen, Kerl?

Es sind die Preisschilder, die uns Hüter des Eigentums sofort beruhigen. Der Kerl ist Teil unseres Systems: Verkaufen, Kaufen.

Dieses Individuum trägt eine Schnur eng um den Hals, Zeichen einer baldigen Hinrichtung. Ist er nicht kahlgeschoren? Hat er nicht brutale Züge?

Eines der Schilder hängt ihm am Körper.

Er wartet. Man kann ihn freikaufen.

Wer könnte sich für so ein Objekt interessieren?

Experimentierfreudige benötigen z. B. Testpersonen für Versuche aller Art. Alleinstehende könnten Ersatz für ein Haustier suchen, das sich als nicht stubenrein erwies.

Eine Hightech-Aufrüstung böte sich an.

Oder für einfachere, aber lästige Verrichtungen: Aufräum- und Reinigungsarbeiten, Hoch- und Tiefbau, Kanaldienst (vorher Muskelcheck, Reaktionstests) ...


Jede Zivilisation fußt auf unbezahlter Arbeit. Arbeitend kannst du deine Dummheit, deine hässliche Visage oder eine kleinkriminelle Karriere ausgleichen, quasi ungeschehen machen.

Du gehörst zum System oder kehrst dorthin zurück. Für dich ist gesorgt. Du bist vorgesehen.


Ich habe dich gekauft. Komm.


Klau mir das Fahrrad.

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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