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einhorn insel der seligen

Uncle Sam's Darling


Mex aalt sich im schön geformten Gemüse. Äße er davon, reicherte sich Provitamin A in seinem Muskelwerk an. Seine Fitness würde explodieren. Doch Mex hat dafür keine Zeit und kein Sensorium. Er ist ausschließlich daran interessiert zu expandieren. Zuerst den Grips. Dann das Imperium. In imperialer Blässe.

So hat sich das Hirn ausgewölbt, die Schädeldecke verformt. Das Kinn sticht aggressiv hinunter in den Brustraum. So trat der papierene Meisterdetektiv Nick Knatterton Juwelen-Jupp und Schläger-Schorsch gegenüber.

Mex besteht aus Plastik, aber das macht nichts.

Mex blickt unverwandt nach Amerika. Dort kommt er her. Von dort aus hat er sich die Welt unterworfen. Alle mampfen ihm nach, alle Gut-Bürger feiern ein Fest des Futterns.

In Amerika ist indessen ein weiterer Koloss erwachsen. Er trampelt sich in die Herzen wie die Büffelherden der Vorzeit über die menschenleere Prärie donnerten.

Ein Trumm von einem erwachsenen Mannsbild ist er und trompetet es in alle Winde: Auch Amerika ist ein Trumm von einem Land.

(Haben wir das eventuell noch nicht gewusst?)

Er trommelt weiter: Amerika ist groß. Nun wird es noch größer, immer noch größer. Immer noch? Noch immer?

Da sagen manche unbelehrbare Kleingeister: Amerika wird überschwappen. Kippt es sich ins Meer? Oder wird es sich verschlucken? Nein. Eher platzt es. Es sind dort bereits genug Blasen zersprungen: Sprechblasen, Traumblasen, Faulblasen …

Sie sagen auch: Die Steigerung von dumm ist dümmer. Analog müsse gelten: je größer das Trumm, desto mehr Trümmer.

Hinter vorgehaltener Hand wird diskutiert, wer der Schönste sei im ganzen Land? Der Möhrenmann Mex, mächtigster Spross eines legendären schottischen Clans, oder der als Ballermann verkleidete Tramp? Machte sich der nicht besser aus zwischen den erotomanen Wurzeln?

Was die Frisuren betrifft, das kann man abhaken: De gustibus non est disputandum. Plastik lässt sich nicht trimmen.

Was die vornehme Couleur des Teints, die Schminktechnik (Gottes dreieckiges Auge) und die zahnärztliche Kunst betrifft, scheint der Plastikmann unschlagbar. Ein weiterer Vorteil: er hat kein Herz, das zu viel pumpt und dabei leicht ins Rumpeln kommt. Nie würde ein Plastikorgan sich verkrumpeln. Keine Thrombose.

Trampeln oder Trampolinspringen soll dagegen kaum vorbeugend wirken. Aber für eine innere Gesundheit im Eigenbau braucht man vor allem dies: Kumpel und Gottvertrauen.

(Wer hätte mehr davon? Wer hätte mehr nötig?)

In Amerika ist (neben dem Dealen) Gottvertrauen Trumpf. Das hat mancher Schlumpf nicht, da geschieht es ihm recht, dass er einer ist. So ein Mannsbild ist eben kein Trompe-l’oeil, der das Auge täuscht, während er dir das Ohr vollbrüllt und hinter seinem Rücken ausgesuchte Sorten von Gängelband bereithält.

Nein so ist er nicht, der, den der Möhrenmann furchtlos fixiert. Er betrügt dich nicht. Er ist, wie er ist.

So wie Mex ist, was du isst.

Ein sehr kluger Mann namens Arouet, der, weil er so klug war, sich vorsichtshalber mit einem Decknamen bedeckt hielt, erfand einen Herrn Baron von Thunder-ten-Tronck im schönen Westfalen (nicht etwa im fahlen Westen): Sein Schloss hatte eine Tür und ein Fenster. Aus seinen Hunden konnte man im Notfalle eine Meute zusammenstellen. Der Dorfpfarrer war zugleich der Schlosskaplan. Alle lachten pflichtschuldigst, wenn er Witze machte. Einen Herrn Harmlos, der an seiner Tochter allzu lebhaftes Interesse zeigte, jagte er mit wuchtigen Tritten in den Hintern aus dem Schloss.

Der Name des Barons, der einen - den schottischen Donalds vergleichbar - weit zurückreichenden Stammbaum beanspruchte, bedeutet wohl Donner-Rüssel oder Donnernder Rüssel.

Warum er so hieß? Ojemine! Herrn Arouet kann man nicht mehr fragen. Wie soll ich das wissen?

Warum ich das erwähne? Fast hätte ich es vergessen und mich verrannt. Ich erwähnte es, um den Vergleich zwischen Donaldus Mex und Donaldus Rex eine weitere Komponente hinzuzufügen.

So - und jetzt ist Schluss. Ich glaub, mich streift ein Bus.

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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