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einhorn insel der seligen

Forstbann


Es war von Zeit zu Zeit nötig oder wurde als nötig betrachtet, dass man einen sorgsam ausgewählten Menschen in den Unterstand brachte, ihn seinen Mantel (die Dörfler nannten ihn Holzfuchs-Mantel) ablegen ließ und ihn an die Wand stellte.

Ein Grund war leicht ge- oder erfunden. Holzfrevel etwa, das griff immer.

Nach erfolgter Exekution, Bergung des Kadavers und Überstellung an den Totengräber wurde von treuen Helfern der abgelegte Mantel (bei Bedarf zusätzlich ein Teppich) vor die befleckte Wand gehalten, man brachte umgehend andere Menschen aus der Ortschaft hierher, Spießgesellen vielleicht, Menschen, denen man vorerst nichts nachweisen konnte (oder nichts nachweisen wollte), obwohl auch in ihren Feuern herrschaftliches Holz brannte.

Man ließ die Leute Aufstellung nehmen.


Sie würden den Mantel da - kennen? Ja. Sein Besitzer sei verschollen.

Im Wald? Vermutlich.

Beim Holzsammeln? Unmöglich. Das sei ja verboten.


Jetzt wurde die Camouflage von den Helfern in einem Ruck beiseite gezogen. So viel Holz wie ein Mann schleppen konnte, wurde von anderen treuen Helfern mit großer Geste davor gekippt. hatte der Exekutierte einen Hut getragen, lag er oben drauf.

Nun konnten (durften) die Geladenen ihren (geheuchelten) Irrtum erkennen. Die Wahrheit wussten sie bereits, als man sie in den Unterstand zitierte.

Ungefähr lief es ab wie bei einer Denkmalsenthüllung. Doch ohne Ansprachen. Es erfolgte nur die erwähnte kurze Befragung.


(Bei Wilderei wurde strenger verfahren. Da wurde direkt im Wald mithilfe weiterer treuer Helfer der Verdächtige beschattet, es wurde ihm aufgelauert und unter Ausschluss der Öffentlichkeit kurzer Prozess mit ihm gemacht; die Leiche stellte man mit auf den Mund gelegtem Zeigefinger dem Geistlichen zur Verfügung)


Menschen (gerade einfache) müssen aufgeklärt durch ihr kurzes Leben gehen. Sie haben ein Anrecht darauf. Sie sollen Zusammenhänge erkennen, aus denen sie nützliche Schlüsse ziehen können.


Natürlich verblassen die Blutflecke rasch. Aber die Eigentümer von Holz, Wild und Dorf werden bestrebt sein, Nachfolger zu zeugen, die wie sie selbst Gefallen finden an der Ausdünnung des Untertanen-Bestands und diese zur Notwendigkeit, ja zum Gesetz erklären.

Herren und Helfer werden sich stets darauf berufen, dass es zum Besten der Gemeinschaft geschehe.