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einhorn insel der seligen

Abstieg


Die Fenster sind gekippt, die Türklinke ist ausgeleiert. Mag sein, sie wird noch benutzt. Doch wer sie öffnet und auf die Straße tritt, muss aufpassen, dass da kein Unrat liegt. Ich habe Autos direkt davor parken sehen. Kommen ja keine Gäste mehr.

Das Pflaster ist rissig. Stünden Stühle und Tische hier, gäbe das ein schönes Gewackel. Dann ist da noch der Gully.

Die Fenster tragen noch Vorhänge. Hinter der Tür zeigt sich sogar ein Blumenmuster wie bei Oma. Wer will, kann schemenhaft etwas dahinter erkennen. Aber warum sollte man sich darüber den Kopf zerbrechen? Hier ist die Armut eingekehrt. Damit haben wir Reichen nichts zu schaffen.

Schuld an der Armut sind doch meistens die Armen selbst.

Immerhin, sie haben sich Mühe gegeben, damals. Die Schrift ist handgemalt und nach all den Jahren noch gut zu lesen. Portugiesische Fremdarbeiter gab es damals in unseren Breiten nicht viele, ebenso selten waren Lokale mit echter oder angeblicher portugiesischer Küche.

Hat nicht eingeschlagen. Oder kennen Sie ein namhaftes portugiesisches Gericht?

War zu ehrgeizig. Haben sich was vorgemacht. Haben sich was eingebildet. Sind in der Schäbigkeit stecken geblieben. Gab sicher spottbillige Gerichte damals. Aber wir haben sie nicht gemocht.

Haben wir nicht ohnehin schon viel zu viel von Ausländern übernommen? Dann auch noch - Portugal!? Was bieten die außer Fisch? Haben die überhaupt eine Idee, wie weit es ist von uns bis zum Meer?

Die wenigen Kunden werden gefrotzelt haben wegen dem Rechtschreibfehler. Der Wirt hat das wahrscheinlich gar nicht verstanden.

Ich war mal in Portugal. Schon lange her, zugegeben. War in einer Bar, da lagen Sägespäne auf dem Boden und jeder hat seinen Abfall einfach fallen lassen, Kippen und Papier und noch andere Sachen. Na, da sehen Sie – da hat doch keine Art. Vielleicht mochte deswegen niemand reingehen.

Weiß ich ja nicht. Bin ja nur auf der Durchreise.

Man bildet sich halt ein Urteil.


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