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einhorn insel der seligen

Stein sein


Die Erde ist Gottes Konstrukt. Er hat sein Bild in sie gelegt, besonders in den Menschen. Und der Mensch ist gut beraten, es ihm nachzutun.

Schwerkraft lässt sich überwinden, nicht nur im Weltraum. Druck erzeugt Halt. So lässt uns die große Güte oder die unerbittliche Bosheit der Welt gleichsam schweben, uns, die wir mit geringerer Last beladen sind.

Licht fällt hell auf uns, doch es ist unsre kleine, unsre kleinste Seite. Sie schimmert und schillert in Bescheidenheit. Es sind die uralten Gewächse, die unseren Körpern Farbe und ein Gesicht geben.

Unser Raum ist beschränkt. Die anderen stehen uns zur Seite, wir können nicht fallen. Die, die wir sehen und erkennen können als Einzelwesen, als das, was wir auch selbst sind, halten dauerhaften Abstand. Ist es tröstlich, dass es ihnen genauso gehen mag wie uns?

Wir lieben die Illusion des Fliegens, des Fliegens ohne Stütze. Unsere Gedanken sind dazu fähig, aber wie leicht entgleiten sie uns! Sie verlieren sich irgendwo außerhalb dieser kleinen Welt. Andre drängen nach, kehren zu uns zurück, ihr Verzicht auf Abenteuer macht uns reich. In ihnen bewegen wir uns jenseits von Güte und Bosheit, wo wir ganz wir selbst sind. Wir haben das dringende Bedürfnis, sie zu teilen, sie mitzuteilen.

Die Verhältnisse bestimmen, ob es ein Echo gibt. Es sind ja viele Echos auf dem Weg, die sich kreuzen, sich ablenken, sich vermischen. Oft verwirren uns solche Missverständnisse, sie hallen durch unsere aufnehmenden Organe, verklingen, ohne dass wir ihnen eine Botschaft abgewinnen können.

Im Stein suchen wir Botschaften. Wissend, dass auch unsere Botschaften erstarren.

Warum sprichst du mit dem Steingebilde? Spricht es etwa zu dir? Es hat keine Bedürfnisse, es hat keine Gedanken. Es ist starr, es ist tot.

Du bist lebendig. Du kannst sogar fliegen und deinen Gedanken folgen bis ans Ende der Welt. Du drehst dich um dich selbst allseitig ins Licht. Du hast unendliche Möglichkeiten, dich mitzuteilen und Missverständnisse aufzulösen.

Willst du?

Es gibt Momente, da willst du nicht. Da stellst du dich vor diese Dreiheit aus Stein in der Zwinge aus Stein. Und grübelst, grübelst …

Lass, du Hirni!

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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