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einhorn insel der seligen

Pereat Iustitia


Sie grinst –lächeln wollte sie. Denn Recht sprechen schließe Barmherzigkeit, schließe Gnade nicht aus.

Statt des Schwerts, das konfisziert wurde und zu den Kuriositäten wanderte, schwenkt sie ein gezähntes Gerät. Sie konnte sich gegen den Tausch nicht wehren.

Die einst entscheidende Waage hält sie gesenkt. Aus Diskretion, noch immer.

Zustimmung nicken im Wind Baumtriebe und wilde Halme.

Keine Menschen. Die Menschen haben sie nie verstehen wollen. Viele haben sie nicht akzeptiert, sie geschmäht, sie verleumdet.

Es ist ihr aus dem Kopf geweht.

Sie erinnert sich nicht, welcher unter den Mächtigen sie hierher verfrachtet hat. Nicht den jetzt herrschenden Verhältnissen angemessen! mag er gesagt haben. Oder: Nicht mehr zeitgemäß! Dann schnipste er mit den Fingern. Eine Entführung folgte, diskret, rasch, effizient.

Damit scheint sie sich zufrieden zu geben(sie muss).

Niemand vermisste sie. Niemand hat nach ihr gesucht.

Regelmäßig schüttet jemand von oben einen Schwall Wasser über sie, um das Rosten zu beschleunigen. Sie empfindet das nicht als Folter (dies ist allerdings ein Gerücht).

Die äußeren Zeichen ihrer Würde sind längst abgefallen. Plausibel ist die Ansicht, statt des Baretts habe sie, wie mancherorts noch üblich, die amtliche Perücke getragen.

Was ihren Kopf betrifft, würde sie ergeben und pflichtschuldigst sagen, die Transparenz habe zugenommen im Gerichtswesen und unverhüllt sei die Macht des Rechts nur noch größer, - und würde auf die Waage verweisen.

Zum Sprechen ist sie jedoch nicht mehr fähig. Nur Wind und Regen entlocken ihr ein dumpfes Röhren. Und manchmal entsteht ein leises Kreischen von den Krallen eines Vogels, der sich auf ihr niederlässt, um zu kacken.