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einhorn insel der seligen

Die Fremde


Hingekrümmt von der Willkür der Wellen liegst du an diesem Strand.

Noch leuchtest du vor dem Grau des Meeres und der Blässe der Kiesel.

Hingegossen liegst du, als wartetest du; die Odalisken-Maler sind ausgeblieben.

(Auch die schlechten, glücklicherweise)

Von den Inseln kamst du und trafst auf niemanden. Kein Boot, keine Boje, kein Hai.

Niemanden hast du gesucht. Niemand hinderte dich.

Hinter dir lag der Sund, als dich die Wucht der Brandung packte und hart auf die Steine warf.

Das Meer zog sich zurück, wollte von dir nichts mehr wissen.

Gäbe es Engel, so hätte dich einer geborgen und getragen bis zum Himmel.

(Na ja, wahrscheinlich eher nicht)

Mancher, der vorbeikam, dachte wohl auch, du seiest ein Engel, ein verirrter, ein gefallener vielleicht, und bekreuzigte sich.

Vorsichtshalber.

Du bist starr, du bist tot. Ein Kadaver voll Anmut, ein Blickfang, ein Mal.

Nur eine Springflut brächte dich wieder zurück.

Zerrissen warst du, ungeflickt, als ein zorniger Mann dich ins Wasser warf. Du warst zufrieden, dass keiner mehr grob an dir zerrte und riss. Du dachtest, das Wasser sei dein Element.

Das Wasser ist ein Element, doch weiter nichts. Es richtet nichts aus gegen Ströme und Stürme.

So wenig wie du.

Für eine Meerfrau wollte ich dich halten, eine, die aus den Wellen steigt und sanft ist zu mir.

Stumm bist du, doch ich will träumen, dass du zu mir sprichst und mich wärmst, denn um mich her ist es leer und kalt.

(Aber wer weiß, du bist selber kalt und glitschig und fischig und man verfängt sich leicht in deinen Maschen)