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einhorn insel der seligen

Genealogie


Wenn du tot bist, hat der Tod seinen Schrecken verloren.

Wenn du jung bist, gerade geboren, geschlüpft, weißt du noch nicht, was das ist, Leben und Tod.

Manche sagen, dass du die Wahrnehmung nach dem Tod noch eine Weile behältst, lotrecht über deinem gestorbenen Körper schwebend, um Abschied zu nehmen.

Du schwimmst im Schwarm, du suchst nach Nahrung wie alle anderen. Mit ihnen. Gegen sie.

Verwundert vielleicht bist du, aber empfindungslos, wenn es sofort zu Übergriffen kommt.

Du kannst über den Wert deiner Nahrung noch kein Urteil fällen. Du machst, was die anderen machen. Dein Geschmack bildet sich erst allmählich aus.

Unangefochten beobachtest du das Spektakel. Du bist hier oben. Aber bist das nicht auch du, da unten, vervielfacht?

Du benötigst momentan nur eine winzige Menge. Dann driftest du wieder ab, flitzt über die leere, glitschige Wüste des Beckenbodens. Kommst irgendwann wieder. Kommst ziemlich bald wieder.

Was du warst, werden sie sein. Es geht keine Energie verloren (eine Denkblase steigt in dir auf).

Die Wüste, in der wir aufwachsen sollen, bietet nicht viel. Der gelbe Grund ist tot. Wir kehren zurück zu dem großen Körper. Auch tot. Anders tot.

Du bist einer von ihnen gewesen. Du bist zu ihnen geworden.

Kein Abschied. Erneuerung. Wuselndes Leben.

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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