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einhorn insel der seligen

Herzfant


Statt in die Hose rutschen auch Elefanten-Herzen manchmal hirnwärts (himmelwärts). Sie bleiben in der Kehlregion stecken und verwandeln sich in Stimme, in fröhliches Trompeten.

Mit einer leichten Kopfdrehung folgt der Bulle der Kuh, die hüftwackelnd um die Ecke verschwunden ist. Muss mal kurz um die Ecke, sagte sie. Ist bei anständigen Elefanten so üblich. Kein Grund zu Verlustängsten. Im Gegenteil, wie gesagt: Trompeten, dass die Stoßzähne wackeln.

Hosengegend, Lendengegend ist jetzt nicht angesagt; das rein Geistige ist dran: der Flug der Herzenstöne weit übers Land: Liebesarie, Besitzerstolz, Revierbestätigung. Sobald sie zurück ist, kann das Herz wieder tiefer sinken.

Wo sie nur bleibt?

Ein Moment in geistigen Sphären ist uns noch gegönnt. Der Bulle ist versunken in seinen Gesang, er variiert die Töne, improvisiert mit der Lautstärke, schafft Kunst. Es fehlt wenig, und er würde tanzen. Hin und her wiegt er sich, wirft Schwanz und Rüssel hoch. Ob Mann, ob Männchen, die Balz verlangt höchste Anstrengung. Selbst wenn die Dame aus dem Gesichtskreis verschwunden ist.

Warum kommt sie nicht zurück?

Das Herz hat zu flattern begonnen. Das Hirn unterbricht rücksichtslos die Kunstdarbietung und meldet: Seit ihr Popöchen dir aus den Augen kam, hast du nicht das geringste Geräusch gehört. Und das bei fast zwei Metern Fallhöhe. Na? Kapierst du endlich?

Das Herz ist jetzt im Irgendwo, zieht sich zusammen. Dem Bullen bleibt nichts übrig, als sich zur Ecke zu begeben, indiskret hinter sie zu blicken. In einiger Entfernung trabt die Kuh, fast hat sie ihre Herde erreicht. Ein lang gezogenes, nun klagendes, klägliches Trompeten fliegt zu ihr hin. Sie blickt sich um.

Einmal muss reichen, sagt ihr Blick, ohne Bedauern.

Verdammte Sachlichkeit des weiblichen Geschlechts!

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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