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einhorn insel der seligen

Zammazubbfda


Cuius gloria eius licentia: Denn der Mensch lebt nicht vom Geld allein.

Ein Performer der Extraklasse tarnt sich als Penner. Klamottenschlotternd steht er vor dir: gekrümmt, mit einem Ohrstöpselkabel spielend, das er zwischen den Fingern dreht, als wär s ein Rosenkranz, und mit in Demut gesenktem Blick.

Aber wehe, wenn er losgelassen: Hören verginge dir und Sehen. Er fiele über dich her, raubte dich, als wärst du eine Sabinerin, raste mit dir in den Urwald und schenkte dir dort sein neuestes Buch. Er spreitete seinen kostbaren Anorak, in dem noch die Bestätigung für die letzten Tantiemen steckte, auf dem Boden aus, er hielte Wache und schützte dich vor fallenden Kokosnüssen. Auf Wunsch läse er dir vor. Bis du einschliefest.

Bouffon bouffi? Tu l’as dit, bouffi! Fi de toi. Méfie-toi. Ne bouffe pas tout.

Eines Tags steht er vor deiner Tür. Er will kein Almosen. Er fragt dich nur, ob du ihn gelesen hast. Er könnte dich erdrosseln, seine schwachen Kräfte reichten aus.

Er ist einfach anders.

Kannst du dagegenhalten? Möchtest du ihn etwa nicht lesen?

Er könnte auch als gerade in seiner Darbietung innehaltender Moriskentänzer durchgehen. Ein Berber, getarnt hinter einem europäischen Gesicht. Umtriebige Wutkunst im Gewande der Hinfälligkeit. Ungefällige Kunst um wütende Triebe. Wutgetriebene Künstlichkeit. Das ist längst fällig im dekadenten Europa. Ein Moriskenkörper mit spätgotisch-modischer Verbogenheit im Wartestand, bereit dich und alles zu zertanzen. Hast du verstanden?

Tanzen musst du deine Philosophie, das rät Zarathustra, der wohl auch so ein Zammazubffda gewesen sein mag.

Aber der Morisk ist auch der Schmerzensmann, der sich windet – nicht in Zweifeln – in Ekstase. Der Bußprediger, der Geißler. Dabei wird die freie Liebe empfohlen zur Lockerung des Geistes.

Eine Rede zu halten, anlässlich der Ehrung, in diesem Blog aufzutauchen – das hat er abgelehnt. Manche Damen (und Herren) werden darüber nicht unglücklich sein. Er sei, auch ohne Reden zu halten, Zeitzeuge und Mahnmal, wobei ihm die Zeit, das Zeugen und das Mahnen völlig wurscht seien. Er rede frisch von der Leber weg und achte peinlich genau auf seinen Spermahaushalt, sagt man. Das würde bei einer öffentlichen Ansprache, im Rahmen derer man zwangsläufig vielen Hohlköpfen gegenüberstünde, nicht zur Geltung kommen.

Denk dir einfach: er genießt das Leben außerhalb der Märkte. Er saugt es ein und spuckt es wieder aus. In ihm muss immer Platz sein – vielleicht für dich. Warum nicht für dich!

(Foto:SZ)

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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