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einhorn insel der seligen

390

Die große dicke Betonscheibe heischt Aufmerksamkeit, aber sie lastet auf toter Erde. Auf ihr ist die kleine, gezähnte Scheibe zurückgeblieben, rund und nackt, in der Sonne glänzend von Rost.

Der Schatten der Holzlatte hätte Zeiger sein können auf einer Sonnenuhr, zählt‘ die heit’ren Stunden nur.

Doch zu zeigen gibt es nichts. Die Dinge lösen sich auf. Die Zeit hält sich im hellen Sonnenschein bedeckt.

Die aus dem Beton ragenden Krampen sind uneins mit ihrem Schatten, die tiefe Öffnung der dicken Scheibe ist nichts als ein Loch, birgt kein Geheimnis. Jemand war eines Handschuhs überdrüssig oder seiner nicht mehr bedürftig, er hat nichts bewegt, nichts erschaffen, nichts versteckt. Vielleicht hat er die Krümel von Mörteldreck auf der Kreisfläche zurückgelassen.

Ein anderer Schatten, gezackt, ganz Kante, legt sich an einen Behälter, wo ein hohler Spielzeug-Ritter auf einem Giraffen-Dino unterwegs ist, die Lanze eingelegt.

Keines der vagabundierenden weißen Dreieckswesen hat mit der dreieckigen Aussparung im Schattenkegel der Kreisform zu tun.

Der Wind, das himmlische Kind.

Ja, ein Kind hat die rotweiße Absperrung heruntergerissen (was war da abzusperren?) und mit einem flachen Holzbrettchen in den löwenmähnenfarbigen Sand eine Landschaft gescharrt, ein flaches Plateau, ohne einen Löwen für den Ritter, ohne Menschen, ohne Vegetation. Mit vulkanschwarzen erratischen Blöcken am Rand, wie Wächter postiert.

Zahlen aber sind allwissend. Zahlen liefern den Schlüssel zu allen Rätseln der Welt. Wir verfügen über eine Zahl:

Wir befinden uns im Zustand 390.

Schatten über dem Container. Sonne auf der von Plan und Spiel verlassenen Wüstung.


Niemand soll sagen, wir hätten kommenden Generationen nichts hinterlassen.