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einhorn insel der seligen

Schlappi




Die Toten sollst du ehren.

Wann Billie (oder wer immer sich hinter diesem Namen versteckte) verschied, ist nicht wichtig. Wichtig ist allein die Denkmalsetzung - nicht in einem Friedhof, sondern in Billies wirklichem Leben: in seinem Quartier, in seinen Straßen, bei seiner Stammkneipe, wo man ihn kannte, unverwechselbar, wie er war.

Billies Schädel schaut also jetzt aus einer Wand. Die Nase ist breit, der Mund überstreckt, die Stirn niedrig (aber nicht fliehend). Die Augenhöhlen sind überdeckt, der ganze Bereich der Augen sorgfältig ausgemalt. Billie trägt eine imposante Kopfbedeckung, einer Bischofshaube nicht unähnlich, mit schlauchartigen Verlängerungen (keine Haarsträhnen oder Schmachtlocken!), in denen sich dieses oder jenes diskret transportieren lässt. Fragen nach Glatze - Tonsur - Scheitel - Irokese stellen sich also nicht. Im Mund balanciert Billie ein zartes Blättchen. Seine Lippen könnten es ins Wippen bringen und so zumindest Ja und Nein simulieren, wenn Billies Steckbrief aus der Wand herauswüchse. Mit Billies Übernamen Schlappi hat das alles übrigens nichts zu tun.

Was nicht alle wussten, die mit Billie Umgang pflegten: Er arbeitete an einer neuen Schrift, beruhend auf lateinischen Buchstaben (z.T. in Spiegelschrift), aber andere Elemente integrierend, insbesondere ein System diakritischer Punkte, wie sie in arabischen und indischen Schriften Verwendung finden. Ein unidentifizierter Feind Billies hat neben diese Hommage das bekannte Zeichen gemalt (sogar mit einem Kratzfuß, aber nicht adressiert an Billie, also eine Verhöhnung des Verstorbenen), was angesichts von Billies Bemühen um ein neues internationales Schreib-System sich selbst ad absurdum führt: Niemals könnte ein Anarchist das Alfabet revolutionieren!

Unser Billie hat es wenigstens versucht.

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