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einhorn insel der seligen

Kein Sautreiber


D’Sau hat an schweinern Kopf / und vier Haxn hat s aa/

Und wenn ma s genau betracht /na hat s an Schwoaf aa.


So definiert ein klassisch-bairischer Song das Borsten- oder Rüsseltier, das bei den meisten locals spontan eine Sehnsucht nach Braten mit Knödel hervorruft.

Verwechslungen mit anderen Tieren sind trotz partieller Namensgleichheit (Meerschweinchen, Stachelschwein, Schweinswal) kaum möglich. Allenfalls vergeistigten Menschen wie Don Quijote können derlei Irrtümer unterlaufen.

Don Quijote will seine gastliche Burg verlassen, die in Wahrheit ein unaufgeräumtes Zimmer ist. Er hat auf einem Diwan hart und ziemlich schlecht geschlafen und, wie üblich, heftig geträumt. Der Burgherr muss schon unterwegs sein zum Pendlerparkplatz, sagte er. Don Quijote hat die Vokabel aufgeschnappt, ohne sie zu verstehen.

Ein Burgfräulein war gestern Abend zu seinem größten Beauern nicht vor Ort, und der getreue Sancho Panza muss sich irgendwohin verkrümelt haben. Keine Reaktion, als der Ritter zwischen Gähnattacken wieder und wieder nach ihm ruft.

Wenigstens steht ihm der Rocinante zu Diensten. Don Quijote plant, das treue Tier mit einem Bocksprung von hinten zu besteigen, da Sancho offensichtlich keine Steigbügel vorbereitet hat. Er nimmt also Anlauf, streift an der Nabelgegend den Rücken des vermeintlichen Reittiers und gleitet mit den stützenden Händen an dessen kugelrundem Kopf ab.

Er krümmt sich auf dem Teppichboden und sucht stöhnend nach blauen Flecken, die ihm erneut die Pflicht, ein Ritter zu sein, eingetragen hat.

Sein Reittier auf einem Teppich (einem Teppich?) im Stall? Hat er in einem Stall geschlafen? Aber es riecht nicht nach Pferd, nur nach ihm selbst. Und schlief womöglich Sancho in der Burg? Eine Verwechslung? Ach was, eine List! Eine unglaubliche Frechheit dieses Bauerntrottels!

Aufblickend bemerkt er den abgestumpften Rüssel, den überbreiten Schädel sowie die Plattfüße des Tiers, das er für Rocinante hielt. Herrgott, da hat schon wieder einer dieser hundertmal verfluchten Zauberer ihn genarrt! Er ist doch hoch zu Ross hier eingetroffen. Mit Sancho! Oder ohne Sancho? Diese unablässigen Träume haben ihn verwirrt. Er ist noch nicht richtig wach.

Da merkt er, er ist nackt. Nur den Helm, ja, den Helm hat er aufgesetzt.

Haben nicht auch die alten Griechen im Krieg um Troja nackt gekämpft? Nur der Kopf war geschützt. Sie mussten ja den Gegner unablässig schmähen und beleidigen, außerdem waren zum richtigen Zeitpunkt kollektive Kampfesschreie auszustoßen.

Don Quijote blickt sich vorsichtig um. Keiner da. Dieser sogenannte Pendlerparkplatz scheint ein Ort zu sein, von dem es keine Rückkehr gibt. Er beschließt, anstelle eines Frühstücks, Kampfesschreie zu üben, um am Ende einen Schrei zu entwickeln, der ganz sein eigener wäre, einer, an dem ihn seine Feinde schon von weitem erkennen, wonach sie feige die Flucht ergreifen werden.

Bald ist er heiser, doch unverdrossen krächzt er weiter.

Klopfzeichen an Tür, Fußboden und Zimmerdecke ignoriert er. Vermutlich haben seine Schreie alles übertönt.

Dann steht Bereitschaftspolizei im Zimmer. Er wird des Helms beraubt und vorerst geknebelt. Auf der Wache prasseln Fragen auf ihn nieder. Fremde Worte, eine fremde Sprache.

Er antwortet mit Gegenfragen: Sancho? Sancho Panza? Penner? Packplatz? Er zuckt mit den Achseln, eine internationale Geste.

Ohne Ergebnis. Er resigniert und nickt, als er Ausnüchterungszelle hört und schön gebügelte, gestreifte Kleidung anziehen soll.

Mal sehen, was für ein Ort ihn erwartet. Und wieder ein neues Wort gelernt dieser schwierigen nordischen Sprache, so klangarm: -ndl-, -rkpl-,-sn-, -cht-,-ngsz-!

Sancho, der Hund, er würde ihn da heraushauen.



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