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einhorn insel der seligen

Landnahme


Ein Zeichen aufrichten – einen Pflock, einen Pfahl einschlagen, hier und da, um ein unbetretenes Terrain dem Blick zu erschließen. Zuallererst wandert das Auge. Es verlangt nach Orientierung. Es will von einem zum anderen gehen.

Nach der Erschließung die Eroberung: Grenzen musst du ziehen, Parzellen einteilen und absichern. In das Ungegliederte etwas Zählbares, Berechenbares einführen. Auf das Auge folgt der Verstand.

Auge und Verstand brauchen die dritte Dimension. Brauchen Beobachtungsposten.

Verstand verändert. Besitz entsteht.

Pfähle und Pflöcke werfen Schatten und teilen die Zeit ein.

Jetzt sind da Raum und Zeit, die uns gehören. Vorher war da - nichts.

Noch sind nicht alle Parzellen gekennzeichnet.

Noch ist die Geometrie der gesetzten Zeichen nicht stimmig.

Noch sind die Gräben nicht genügend tief. Sie können nicht scharf genug trennen

Der und der: sie bauen und ernten. Einer hat sich verrannt. Ein anderer schmeichelt und schmarotzt. Dort spottet wer, spuckt aus.

An den Gräben stehen sie und blicken sich an.

Sie lassen sich nicht mehr aus den Augen.

Streit ist entstanden.

Das Wort Gerechtigkeit fliegt hin und her. Bis es abstürzt und im Niemandsland liegen bleibt.

Dann muss entschieden werden, was Gerechtigkeit heißt – und weiter heißen wird.

Streit muss ausgestritten werden.

Am Ende sind sie weniger. Das nützt den Wenigen.

So geht es immer fort.


© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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