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einhorn insel der seligen

Oypi 7


Heute hätte man nicht nur Panzer, um die Indianer auszurotten. Die ersten Panzer robbten im Großen Krieg vor hundert Jahren im Schneckentempo über Stacheldrahtverhau und Schützengräben. Heute, im Zeitalter der Fernwaffen, die sich im Luftraum ihren Weg suchen, sind sie beinahe ein Auslaufmodell, brauchbar noch in Bürgerkriegen und zur Einschüchterung von Demonstranten. Menschen platt zu walzen vermögen sie noch immer.

Als die Panzer erfunden wurden, waren die Indianer so gut wie ausgerottet. Hauptsächlich mit Gewehrkugeln. Nur manchmal bediente man sich einer willigen Justiz, dann tötete der Strick. Es war nicht der erste Völkermord und wird nicht der letzte sein.

Federschmuck und Panzer sind vom Sprayer Oypi 7 anscheinend in harmloses Spielzeug verwandelt worden. Der Federschmuck des letzten Häuptlings liegt besiegt am Boden, der Panzer wird wie ein Feldzeichen an einem Stab hoch gehalten und geschwenkt, als Zeichen des Triumphs. Die Kamera hat gewippt, das Bild ist gekippt. Wir können es nicht in Gänze erfassen. Hängt der Federschmuck an einem Skalp?

Die Indianer haben sich ja auch gegenseitig umgebracht, bevor die weißen Einwanderer gegen sie loszogen. Und sie konnten die verfeindeten Stämme und Clans gegeneinander ausspielen. So geschehen im Wilden Westen, in Mexiko, in Perú und anderswo.

Der weiße Mann behauptete dreist, sein Triumph über die Eingeborenen sei ein Sieg von Zivilisation und Christentum.

Das Christentum hätte zwar nach den Vorstellungen seines Gründers den Krieg abschaffen müssen. Da es ihm aber seine Macht verdankte, erklärte es ihn zum Kampf gegen das Böse. Auf einen Feind wollte man nicht verzichten. Wie hätte man gut sein können, ohne das Böse zu besiegen?

Ist der Krieg folglich der Sinn unseres Daseins, heilig auch für die Christen?

Der Krieg geht jedenfalls immer weiter. Es gibt ihn, seit in der ersten Menschenfamilie gemordet wurde. Er wird den Menschen begleiten bis zu seinem Aussterben. Krieg ist vervielfachter Mord, Mord mündet über Blutrache in Krieg.

Gelb ist die Farbe von Zorn und Hass. Keiner kriegt, was er gern hätte, und wenn er es doch kriegt, wird es ihm nicht genug sein. Wir sind unersättlich. Die Schlange vom Paradiesbaum wusste, wie sie uns kriegen würde. Kriegen kommt von Krieg.

Was will mir also mein Sprayer sagen? Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster:

Oypi 7 ist der Name eines Raumschiffs der Phantasie wie Apollo 11, ist gelandet auf einem der heißen Planeten Venus oder Merkur und entdeckt dort ein analoges Schlamassel wie auf der Erde: In Schwefelsümpfen wird gekämpft und gestorben, es sind hitzebeständige Wesen zugange, die sich aus thermophilen, Schwefel oxydierenden Archaebakterien entwickelt haben.

Da haben wir’s.

Nil novi sub sole.

(Die Sonne verbrennt dir das Hirn, wenn du Rat suchend den Blick hebst zum Himmel, wo angeblich die Götter hocken)

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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