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einhorn insel der seligen

Die Drei von der Treppe


Wenn du bis Drei zählen kannst, gut: zähl vorerst nicht weiter. Hol tief Luft.

Denn als erstes wird dir, sollte dir einfallen die Dreiheit, Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Eine komplizierte Beziehungskiste. Wer ist der Chef im Ring? Hat die Liebe des Messias den Zorn des alten Weltenschöpfers entmachtet? Ein zum Menschsein Erniedrigter darf am Ende der Zeit den alles entscheidenden Weltenrichter spielen? Und dieser Heilige Geist, der Tröster, irgendwo mittendrin, schwebend, durch die Bilder der Verkündigung flatternd, nicht nur an Pfingsten eine kritische Masse …

Shiva, Vishnu und Brahma haben sich die Welt klarer aufgeteilt: Erschaffen-Erhalten-Zerstören. Wir entstammen der Erde, Wasser sichert unser Überleben, Feuer verbrennt uns am Ende (meist inwendig).

Fehlen da nicht die Mutter Maria und die Luft? Ist Maria wie die Luft zum Atmen? Die Luft ist unsichtbar und Maria ist die leider unvermeidliche Nummer Vier im patriarchalischen Dreier-Kosmos, die man erst spektakulär in den Himmel aufnimmt und dann als Fürbitterin abspeist.

Rauchen wir lieber die Friedenspfeife, statt uns in solchen Genderproblemen zu verlieren. Denn dabei wird das Dritte im Bunde, das Neutrum, oft vernachlässigt, es stellt nämlich eine knifflige Denksportaufgabe: ist es nur Keins-von-beiden oder auch Beide-zusammen? Eine ganze Reihe fürsorglicher Sprachen hat das Genus abgeschafft. Wir plagen uns weiter damit herum.

Wir Europäer stammen wie die Inder überwiegend von den Rossebändigern und Schädelspaltern, den Indogermanen, ab und verschmähen die Elimination aller Welträtsel durch Pachamama, die Mutter Erde, der noch niemand die Frage gestellt hat, wer denn die Väter ihrer unzähligen Kinder seien. Die einfache Lösung: Null und Eins, Eins und Zwei und immer so weiter. Einige der ältesten Lebewesen sind seit Anbeginn und äußerst erfolgreich so verfahren.

Betrachten wir doch nach diesem seltsamen Ideengewimmel endlich die Drei von der Treppe. Der Baskenmützler im gezackten Röckchen hat außer seinen zwei Pfeifen auch noch ein Trumm Schinken dabei, wahrscheinlich vom Eichelschwein. Die Frau mit dem Sonnenhut trägt ihren Reichtum offenherzig, aber grimmig, vor sich her. Und der vielarmige Träger des Herz-Jesu-Ordens führt versunken einen seiner Daumen über die Lautensaiten: Schrumm! Zu ihren Füßen ein Clown im Einmachglas und ein Liebespaar. Eine interessante Dreiecksgeschichte könnte das sein, eine, die man den drei Großen kaum zutrauen wird. So wenig wie sie die Treppe hoch steigen werden. Vielleicht ist da oben ein Himmel mit gigantischer Aussicht oder ein Brautgemach - oder nur endlose Speicherräume mit noch viel mehr Gerümpel.

Sie reden nicht. Sie sehen uns nicht einmal an. Was die Treppe hinter ihnen soll, ob die Treppe etwas von ihnen will, das verstehen sie so wenig wie wir. Unsere Empfehlung: zu ihren Füßen warten alkoholische Getränke, Sekt, Cidre, eine Kalebasse mit Hirsebier.

Das Geheimnis der Drei von der Treppe ist, dass es kein Geheimnis gibt. Zählen wir weiter: die Vier, die Sieben, die Zehn, die Zwölf – alle so heilig wie der Geist. Dann die allseits beliebte Dreizehn. Und irgendwann die Zahl, die das Ergebnis einer Subtraktion auf deinem Grabstein darstellt. Zählen kannst du allerdings weit darüber hinaus, bis zur letzten Zahl vor der liegenden Acht. Da spätestens ist dir die Puste ausgegangen.

Die Drei stehen, da, wo sie stehen, so wie wir gerade da stehen, wo wir stehen (oder sitzen – liegen – uns krümmen über den Laptop).

Zufall? Nein. Jemand hat die Drei so hingestellt, damit wir etwas hineingeheimnissen.

Nicht mit uns.