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einhorn insel der seligen

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Warten, warten. Wer Geduld hat, wird belohnt. Die leibliche Aufnahme in den Himmel ist verheißen. Unsere zwei Seelen warten vermutlich dort. So ungeduldig wie wir, hoffentlich.

Unsere Büsten bieten der Verwesung Paroli. Der wirkliche Leib verschwindet. Sein Abbild bleibt, in Stein gemeißelt. Wenn das Ende der Welt nicht bald kommt (Wartet nur eine kleine Weile …), wird auch dieses Abbild zu Staub zerfallen sein.

Stein, Staub, Verwesung - die Seele ist alledem entkommen. Und sie fragt sich, warum sie einst herabsteigen musste in diesen schwarzen Pfuhl, dessen Male noch haften an den Gesichtern der Statuen. Sie sollte nicht fragen. Fragen schafft Leid. Fragen ist subversiv. Wer einst ins Reich der Gerechten eingehen will, der hält auf Erden besser die Klappe und zügelt seine Ideen.

Wo waren all die Seelen, es lässt uns keine Ruhe, bevor sie in einen so fehlerhaften und fehlbaren Körper kriechen mussten, und wo werden sie nachher sein, bevor sie sich wiedervereinen mit dem Leib? Die Lehre von der Metempsychose gibt allzu leichte Antwort. Wir behaupten:Der Mensch ist kein Tier, und das Tier kein Mensch.

Spötter sagen, die Seelen waren zum Anfang der Zeiten in Abrahams Wurstkessel (Abraham inklusive). Sie mussten weichgekocht werden (da hört der Spott auf), um die schaurigen Abenteuer des Lebens bestehen zu können.

Sicher ist: die Seelen wurden geschaffen als ein Stückchen Ewigkeit. Wie die Galaxien samt dem Raumzeitgebilde durch den Urknall als eine Schöpfung entstanden sind. Dahinter, jenseits des Anfangs, beginnt die prominenteste No-go-Area, die verbotene Stadt Gottes, das himmlische Jerusalem.

Für kleine Fische wie uns beide, fromme Spender, und doch arme Sünder, sind derlei Gedanken eigentlich nicht geeignet (nicht vorgesehen). Aber jetzt, wo wir hier am Grab versteinert warten, preschen sie gegen uns vor und dringen in uns ein. Sie wühlen in unseren Eingeweiden, der Stein gibt nach, es rumort in uns von Zweifeln. Sind es die Heerscharen des Antichrist, die apokalyptischen Reiter? Sind sie gegenwärtig in allen Gestorbenen?

Das sind keine Gutenachtgeschichten, wie wir sie uns manchmal, allzu selten, erzählten, gemeinsam im Bett, vor dem Einschlafen. Wir haben sie alle vergessen, die oberen Behörden haben sie fortzensiert, es gibt in den Himmlischen Reichen (auch in manchen irdischen, wie bei den Mullahs), keine Gegenmeinungen. Es gibt die Sünde, die lässliche und die Todsünde, es gibt sogar eine Erbsünde, die darin besteht, dass die ersten Menschen wissen wollten und erkennen, was ihrem und unserem beschränkten Geist zu wissen und zu erkennen möglich ist. Daraus haben sich dumme und falsche, das heißt: sündige Meinungen entwickelt, die auf der Stelle unterdrückt und schließlich vernichtet werden mussten.

Dies ist das Gesetz vom Anbeginn bis ans Ende der Zeit, wenn die Ewigkeit einsetzt und uns mitreißt in ihren Strudel.